Ursache dafür sind die im Vormarsch befindlichen Ancillary Services – darum und um die Ausblicke 2012 FCm Travel Solutions ging es im T.A.I.-Gespräch mit Österreichs FCm Travel Solutions-Chefin
Es ist eine alte Binsenweisheit: Die Entwicklung des Geschäftsreiseaufkommens steht in einem direkten Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes. So gesehen sieht es für 2012 in Europa nicht so rosig aus. Österreich dürfte jedoch im Windschatten von Deutschland leicht bessere Karten haben. Statt einer Stagnation, wie für die EU insgesamt prognostiziert wird, sollte Österreich ein minimales Wachstum des BIP (Brutto Inlandsprodukt) von 0,4 Prozent erreichen. Die Geschäftsreisespezialisten geben sich trotzdem zuversichtlich, so wie zum Beispiel Martina Grimus, Geschäftsführerin von FCm Travel Solutions in Österreich.
T.A.I.: Wie hat sich aus Ihrer Warte 2011 entwickelt? Wurde wieder mehr gereist oder gab es bei manchen Firmen noch immer Rückgänge im Geschäftsreiseaufkommen?
Grimus: „Wer Märkte erobern will, muss reisen. Das bestätigt auch die letzte Reisestudie des WdF (Wirtschaftsforum der Führungskräfte), bei der FCm mitwirkte. Ihr zufolge hat sich die Anzahl geschäftlicher Auslandstage gegenüber 2010 nicht verändert. Was die Geschäftsentwicklung bei unserem Reisebüro selbst angeht, wurde für 2011 ein Wachstum von 30 Prozent angepeilt, das mit langjährigen Kundenbeziehungen und der erfolgreichen Neugewinnung namhafter Firmen auch realisiert werden konnte.“
T.A.I.: Welche Entwicklung erwarten Sie im Geschäftsreisebereich für 2012?
Grimus: „Es wird und muss auch weiterhin gereist werden – das gehört zu einem wirtschaftlich erfolgreichen globalen Auftritt dazu. Weiterhin Sparpotenziale zu lukrieren ist da nach wie vor sinnvoll. Deshalb beraten und begleiten wir unsere Kunden intensiv bei der Prozessoptimierung und Konsolidierung. Das strafft das Kosten-Management und birgt Sparpotenzial von bis zu eine Drittel des Reisebudgets in sich. In punkto Technologien werden „Mobile Solutions“ zunehmend interessant. Wir bieten hier mit dem „FCm Mobile Assistant“ eine hauseigene Lösung an. Was Video- oder Telefonkonferenzen betrifft, sind sie für weniger komplexe Entscheidungen oder Themen eine praktikable Alternative. Für die erfolgreiche Neuakquise und/oder zufriedenstellende Kundenbetreuung aber in vielen Fällen kein Reiseersatz.“
T.A.I.: Wirken sich Flugsteuer und die ab Jänner gültige Emissionsabgabe innerhalb der EU auf das Reiseverhalten ihrer Kunden aus und spielt hier auch die von Lufthansa eingehobene Kreditkartengebühr eine Rolle?
Grimus: „Auf die Firmen kommen zwar Mehrkosten zu, die jedoch das Flugverhalten, meines Erachtens nach, nicht wesentlich beeinflussen werden. Für Mittel- und vor allem Langstrecke sehe ich keine Alternative zum Flugzeug. Zur Emissionsabgabe: Wenn diese nachvollziehbar der Umwelt zugutekommt, wird sie argumentierbar sein. Was das Kreditkartendisagio angeht, sind in Österreich ansässige Unternehmen derzeit noch im Vorteil. Zumindest für Flüge, die hier im Land gebucht werden. Zu bedenken ist jedoch, dass die Abrechnung der Geschäftsflüge mit Corporate Cards auch Vorteile für Firmenkunden bringt, da neben einem ausführlichen Reporting Abrechnungsprozesse auch vereinfacht werden.“
T.A.I.: Wie ist das Verhältnis bei Ihren Kunden von Eco- zu Business-Class-Tickets innerhalb Europas und im Langstreckenverkehr?
Grimus: „Im Vorjahr entfielen innerhalb Europas bereits mehr als 90 Prozent der für unsere Kunden gebuchten Flüge auf Buchungsklassen des Economy-Class-Segments. Bei Interkontinental-Flügen waren es etwas mehr als 70 Prozent.“
T.A.I.: Wie entwickeln sich Auto (Leihwagen, Firmenwagen) sowie die Bahn?
Grimus: „Auto und Bahn sind für kürzere Distanzen eine sinnvolle Alternative. Die Bahn ist je nach Reisestrecke und Verlauf dabei nicht nur die umweltfreundlichere Möglichkeit, sondern auch die schnellere. Für weiter entfernte Ziele bleibt das Flugzeug jedoch ganz klar das Top-Verkehrsmittel. Gegenüber 2010 hat das Flugzeug sogar etwas zugelegt. Solange Unternehmen weiterhin international expandieren sehe ich hier keine großen Veränderungen.“
T.A.I.: Schlagwort Ancillary Services: Wie sehen Sie diese neuerdings kostenpflichtigen Zusatzangebote zahlreicher Fluggesellschaften weltweit?
Grimus: „Als Geschäftsreisespezialist haben wir uns bei FCm zur Aufgabe gemacht mit den Köpfen unserer Kunden zu denken. Aus deren Perspektive sind Ancillary Services vor allem ein Ärgernis. Sie erschweren Travel Managern den Tarif-Vergleich und nehmen keine Rücksicht auf unternehmensinterne Prozesse wie Abrechnung, Steuerrecht oder Reiserichtlinien. Aus der Perspektive von Geschäftsreisebüros bedeuten „filetierte Tarife“ außerdem höheren Beratungsaufwand, der nicht abgegolten wird. Insgesamt sehe ich den Trend zu Ancillary Services – zumal derzeit keine einheitlichen Standards in Sicht sind – kritisch. An dieser Debatte zeigt sich jedoch auch, dass die umfassende Expertise und auch Verhandlungsstärke von internationalen Geschäftsreisebüros gegenüber Leistungsträgern für Unternehmen immer wichtiger wird.“
FCm Travel Solutions in Stichworten
FCm Travel Solutions ist seit 2004 die Geschäftsreise-Marke des in Australien beheimateten, weltweit tätigen Touristik-Konzerns Flight Centre Ltd. Abgedeckt werden die Bereiche Leisure- und Business Travel (2.000 Filialen in Australien, Neuseeland, USA, Kanada, Großbritannien, Südafrika, Hong Kong, Indien, China, Singapur und Dubai). Durch Lizenzabkommen mit Geschäftsreisebüro-Partnern in mehr als 40 Ländern (in Österreich: Columbus Business Travel, in Deutschland: DER – Deutsches Reisebüro der Rewe Group) verfügt FCm Travel Solutions über ein globales Netzwerk, das sich in Summe mit rund 12.000 Mitarbeitern auf 75 Staaten in mehr als 75 Ländern erstreckt. Das Unternehmen zählt heute zu den Top 5 der globalen Travel Management Companies. Der Gesamttransaktionswert im Geschäftsjahr 2010/2011 belief sich auf 12,2 Mrd. US-Dollar (plus 12 Prozent). Der bereinigte Gewinn erreichte 245 Mio. US-Dollar.
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