Rund 30 Millionen Passagiere gehen mit den 146 Jets der sieben Airline-Töchter in die Luft – konsolidierte Zahlen finden sich nirgends – T.A.I. unternahm einen Versuch, das zu ändern
Die TUI Group restrukturiert ihren Airline-Bereich. Das Portfolio umfasst aktuell sieben Airlines in Europa und Afrika: angefangen von der belgischen Jetairfly und der marokkanischen Jet4you über TUIfly in Deutschland und TUIfly Nordic in Skandinavien, Frankreichs Corsairfly und Thomson Airways in Großbritannien bis zu Arkefly in den Niederlanden. Die Fluggesellschaften sind durch die Bank Tochtergesellschaften der TUI Travel plc und dort den Regionen Zentral-, Nord- und Westeuropa zugeordnet. Der Airline-Bereich wird in der Konzernbilanz der TUI Travel plc allerdings nicht konsolidiert ausgewiesen. Wer sich einen Überblick verschaffen will, muss wie bei einem Mosaik viele Einzelteile aus unterschiedlichen Quellen zusammensetzen. T.A.I. hat den Versuch unternommen.
Erste Maßnahmen zur Umstrukturierung wurden bereits durch Zusammenschluss von Jet4you mit Jetairfly gesetzt. Ebenso verabschiedet sich der Konzern zum Teil auch von traditionellen Namen. So wird die französische Corsairfly laut TUI-Frankreich-Chef Pascal de Izaguirre im Juli 2012 in TUIfly umbenannt. Doch nun zu den Details:
TUIfly ist die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft. Sie entstand aus den beiden Fluggesellschaften Hapag-Lloyd Flug und Hapag-Lloyd Express, erhielt 2007 ihren jetzigen Namen und verfügt über eine Flotte von 38 Flugzeugen (Boeing 737-700 und -800). Für acht weitere Boeing 737-800 gibt es Bestellungen. 14 der TUIfly-Jets sind für Airberlin unterwegs. Im Jahr 2010 wurde mit den restlichen Fliegern nach Information der Creditreform ein Umsatz von 429 Mio. Euro erwirtschaftet. Derzeit werden 80 Ziele in 17 Ländern angeflogen, nach Angaben des Unternehmens werden pro Jahr 12,5 Millionen Passagiere befördert (beide Zahlen inkl. der für Air Berlin operierenden Maschinen).
Jetairfly wurde im März 2004 unter dem Namen TUI Airlines Belgium gegründet und übernahm die meisten Flüge der insolventen Fluggesellschaft Sobelair, die von Jetair, einer Tochtergesellschaft der TUI, für Charterflüge genutzt wurde. TUI hat die Fluggesellschaft im November 2005 in Jetairfly umbenannt. Im Geschäftsjahr 2010/ 2011 wurden erstmals mehr als zwei Millionen Passagiere befördert. Aktuell besteht die Flotte der Jetairfly aus 16 Flugzeugen, darunter 14 der Boeing 737-Serie sowie zwei Boeing 767-300ER.
Die marokkanische Jet4you kommt derzeit auf vier Flugzeuge (eine Boeing 737-400, drei Boeing 737-800). Sie schrieb seit ihrer Gründung im Jahr 2005 ausnahmslos Verluste. Das soll sich künftig ändern. So landete sie mit Jahresanfang unter dem Dach der belgischen Jetairfly. Dadurch erhofft man sich Einsparungen beim Einkauf. Ebenso sollen durch diese Maßnahme die Buchungen steigen, da Jet4you via Brüssel zusätzliche Kunden von TUI Frankreich vermittelt bekommt.
Im Geschäftsjahr 2010/2011 beförderte Jet4you laut TIO Travel Geschäftsbericht 529.000 Passagiere (plus 6 Prozent), allerdings ging der Umsatz um 11 Prozent von 108,5 Mio. Euro auf 96,6 Mio. Euro zurück. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 11,9 Mio. Euro (im Jahr davor waren es -15,5 Mio. Euro).
Die TUIfly Nordic ging aus der 1985 gegründeten Transwede (später Blue Scandinavia) hervor. Sie gehörte dem Veranstalter Fritidsresor, der Ende 1997 von der britischen Thomson Travel Group übernommen wurde. Thomson integrierte Blue Scandinavia unter der Bezeichnung Britannia Sweden in den Konzern. Die Umbenennung in TUIfly Nordic erfolgte im Mai 2006. Zur Gesellschaft gehören sechs Boeing 737-800 und drei Boeing 767-300ER. Im Jahr 2010 beförderte TUIfly Nordic 1,397 Millionen Passagiere.
In Frankreich hält Corsairfly die TUI-Flagge im Airline-Bereich hoch. Sie wurde 1981 als Corse Air International gegründet und landete 1990 beim Reiseveranstalter Nouvelles Frontières. 2000 kam es zur Übernahme durch die TUI AG. Corsairfly zählt zu den Sorgenkindern des Konzerns: sie erzielte laut TUI Travel Geschäftsbericht im Vorjahr einen Umsatz von 508 Mio. Euro (im Jahr davor waren es 471 Mio. Euro), fliegt aber weiter in den roten Zahlen. Zwar konnte Corsairfly ihre Performance deutlich verbessern, der Verlust war 2010/2011 mit 11,9 Mio. Euro aber noch immer hoch (im Jahr davor belief sich der Abgang auf minus -29,8 Mio. Euro). Anders als die meisten anderen TUI-Fluggesellschaften arbeitet Corsairfly auch mit Airbus (zwei Airbus A330-200), dazu kommen sechs Boeing 747-400 Jumbojets.
Die britische Thomson Airways – sie ist die größte Charter-Airline der Welt und die drittgrößte Airline Großbritanniens – entstand 2008 aus dem Zusammenschluss von Thomsonfly und First Choice Airways. Erstere wurde 1962 unter dem Namen Euravia gegründet und zwei Jahre später in Britannia Airways umbenannt. Seit 1965 gehörte die Gesellschaft zu Thomson Travel und fliegt seit 2005 unter der Marke Thomsonfly. First Choice Airways wiederum entstand 1987 unter dem Namen Air2000. Im März 2000 wurde sie in First Choice Airways umbenannt. Mit dem Zusammenschluss der Reise-Sparte der TUI AG und First Choice entschloss man sich, die zwei Fluggesellschaften zu vereinen.
Auch Thomson Airways – deren Flotte derzeit 58 Flugzeuge umfasst – arbeitet mit Airbus-Jets (sechs Stück der A320/321 Serie), setzt aber mehrheitlich auf Boeing (zwei Boeing 737-300, 16 Boeing 737-800, 22 Boeing 757-200 und zehn Boeing 767-300ER). Acht Bestellungen betreffen den neuen Dreamliner Boeing 787-8, ebenfalls acht Bestellungen gibt es für Boeing 737-800.
T.A.I. vorliegenden Informationen zufolge erzielte Thomson Airways im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von umgerechnet 2,17 Mrd. Euro und erwirtschaftete einen Gewinn von 126,8 Mio. Euro. Es wurden in dem Jahr 10,9 Millionen Passagiere befördert, der Ladefaktor erreichte 89,9 Prozent.
Hollands Arkefly wurde 2005 als Charterfluggesellschaft gegründet, als TUI Nederland die in Konkurs gegangene 2003 gegründete Airline Holland-Exel der Exel Aviation Group (EAG) übernahm und als Charter-Airline für Arke, Holland International und Kras Vakanties aufbaute. Derzeit besteht die Flotte der Arkefly aus zehn Flugzeugen (je fünf Boeing 737-800 sowie Boeing 767-300ER). Ebenso wie von Thomson Airways wurden bei Boeing drei Dreamliner bestellt.
Die Flotte aller sieben TUI Airlines zusammen umfasst mit Stand November 2011 insgesamt 146 Flugzeuge, womit sie die elftgrößte Airline-Flotte Europas bilden. Es werden von rund 60 Airports in neun europäischen Ländern über 160 Destinationen weltweit angeflogen. Die in der Tabelle angeführten Umsatz- und Passagierzahlen stammen zum Teil aus den Geschäftsberichten, zum Teil wurden sie im Internet recherchiert. Sie sind daher in Summe nur Näherungswerte.

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