Berliner Kopfschmerzen nicht nur für Lufthansa

Die Auswirkungen des Etihad-Deals reichen weit über eine Beteiligung an der Niki-Mutter hinaus

Kurz vor Weihnachten wurde die Aufstockung der Beteiligung von Etihad an Air Berlin von knapp 3 auf knapp 30 Prozent durch Ausgabe neuer Aktion um rund 73 Mio. Euro inklusive einer Finanzspritze von weiteren mehr als 191 Mio. Euro bekannt gegeben (T.A.I. berichtete auf www.tai.at). Die Transaktion wird das Gefüge in der internationalen (und vor allem der europäischen) Luftfahrt nachhaltig verändern. Erstmals dringen damit Golf-Airlines nicht nur verkehrsmäßig tief in die Netzwerke der etablierten europäischen Konkurrenz vor, sondern sorgen durch die kapitalmäßige Verflechtung für neue Kräfteverhältnisse: Lufthansa sieht sich nach Emirates jetzt auch durch einen zweiten Golf-Carrier im Heimatmarkt in die Zange genommen – mit Auswirkungen auch auf Österreich.

Wobei der Etihad-Air Berlin-Deal auch aus Allianz-Sicht nicht uninteressant erscheint, denn der deutsche Carrier vollzieht bekanntlich im Frühjahr seinen Beitritt zu Oneworld (850 Ziele in 150 Ländern). Die Airline aus Abu Dhabi hat damit einen Fuß in der Tür zu Oneworld (wobei ein Beitritt in absehbarer Zeit nicht realistisch ist). Es darf aber erwartet werden, dass sich die beiden anderen Allianzen, Star Alliance und Skyteam, auch in der Golfregion vermehrt um Partner umsehen.

Fest steht, so das Centre for Asia Pacific Aviation, dass mit dem Etihad-Deal ein erster Schritt gesetzt wurde, „der die bisherige strikte Trennung zwischen den Airlines der neuen Generation der Golf-Region und den etablierten großen drei Europas, Lufthansa, Air France-KLM und British Airways-Iberia aufbricht.“

Für Emirates – der einzigen seit Jahren profitablen Golf-Airline – ist der Coup von Etihad aus anderen Gründen ein Dorn im Auge: Die Airline aus Dubai bemüht sich seit Jahren vergeblich um Verkehrsrechte nach Berlin. Etihad schaffte dies jetzt durch die Hintertür und ohne eigene Slots: Bereits ab 15. Jänner 2012 startet Air Berlin (die ihre Golf-Aktivitäten von Dubai nach Abu Dhabi verlegt) vier wöchentliche Flüge mit einem Airbus A330-200 von Berlin aus in das Emirat. Zusammen bieten Air Berlin und Etihad ab dann von vier deutschen Drehkreuzen aus 29 wöchentliche Flüge nach und von Abu Dhabi. Bis April 2012 soll das Angebot auf 42 erhöht werden. Doch auch in diesem Fall gilt: Nicht alles was glänzt, ist Gold. Selbst noch weit von der Gewinnzone entfernt, hat sich Etihad an einer schwer krisengeschüttelten Airline beteiligt und könnte – so Analysten – durch die finanziellen Turbulenzen der Air Berlin selbst in stärkerem Ausmaß behindert werden, als gedacht.

Etihad Airways wurde 2003 gegründet, gehört zu 100 Prozent dem Emirat Abu Dhabi und beförderte 2010 mehr als 7,1 Mio. Passagiere zu über 70 Destinationen. Der Umsatz kletterte 2010 um 19,5 Prozent auf 2,95 Mrd. US-Dollar. 2011 lag das Wachstum bei rund 30 Prozent (drittes Quartal + 39 % beim Umsatz auf 1,1 Mrd. US-Dollar). Das Passagierplus erreichte 18 Prozent auf 2,25 Mio. Fluggäste. Nach Angaben von CEO James Hogan ist das EBITAR 2011 in jedem Monat positiv gewesen. Die Flotte besteht derzeit aus 63 Jets, die zu 83 Zielen unterwegs sind.

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