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Um wie viel weniger schön wäre die Modewelt, wenn Claudia Schiffer nicht geboren wäre, um wie viel Hollywood ohne Jennifer Lopez? Wie wäre die Entwicklung der Pop-Musik verlaufen, wenn sich die Beatles nicht getrennt hätten? Wie Wirtschaft, Kulturleben und Politik in Österreich, hätte Bruno Kreisky nicht die Kanzlerschaft übernommen?
All das geschah 1970. In Österreich herrschten damals schlechte Zeiten für Zeitungen. Sie starben wie die Fliegen. Fünf Tages- und 56 Wochenblätter stellten innerhalb weniger Monate ihr Erscheinen ein. Nicht so im September: Anfang des neunten Monats in jenem Jahr erschien Oscar Bronners Nachrichtenmagazin „Profil“ zum ersten Mal, Ende September 1970 die „tourist austria international“.
Zwischen diesen beiden Premieren, welche Österreichs Medienlandschaft nachhaltig mitprägen sollten – „Profil“ im Bereich der Politik, „t.a.i.“ im Tourismus – fand in New York erstmals der legendäre Marathon statt und in der Wiener Stadthalle brachten die Rolling Stones im Rahmen ihrer Europa-Tournee Österreichs Jugend in Extase. Knapp die Hälfte der heute 8,4 Millionen in Österreich lebenden Menschen war noch nicht auf der Welt.
September 1970: In der Druckerei Bondi im vierten Wiener Gemeindebezirk schnaufte laut krachend und stampfend der Schlitten des „Heidelberger Zylinders“ vor und zurück. Die Buchdruckmaschine – damals Herzstück jeder Druckerei – warf, Bogen um Bogen, die ersten Seiten der „tourist austria international“ aus. Schwarz weiß. Gesetzt in Bleilettern, montiert in schweren Schließrahmen.
40 Jahre. Das kann viel sein oder auch wenig. Um in den Genuss der „Hacklerregelung" zu gelangen, stellen sie eine entscheidende Hürde dar. Für die DDR bedeuteten sie schon wieder das Ende. Winston Churchill erlebte in diesem Alter gerade den Beginn des 1. Weltkriegs. Der Weltbevölkerung bescherten die vergangenen 40 Jahre eine Verdoppelung und Österreichs Tourismus um 56 Prozent mehr Nächtigungen. Und T.A.I. erschien in diesen vier Jahrzehnten exakt 2.000 Mal.
Ein Zeitungskind lernt Laufen
Dass es T.A.I. gibt, ist fast Zufall. Oder auch nicht. Ihr Gründer, Dr. h.c. Walter Norden, hatte, nach Ende seiner fast zehnjährigen Ära als Pressechef von Austrian Airlines, vom Verleger und Druckereibesitzer Ludwig Bondi den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie einer österreichischen Bauzeitung erhalten. Das Ergebnis fiel negativ aus: ein derartiges Magazin würde sich nicht rechnen.
Doch Norden schlägt Bondi eine andere Zeitschrift vor, eine, die seiner Überzeugung nach ein Renner werden müsste: eine Fachzeitung für Tourismus. So etwas gab es damals hierzulande nicht. Das einzige Branchenmedium, das existierte, war die „Österreichische Gastgewerbezeitung“ (ÖGZ). Norden schwebte ein Medium vor, das alle Bereiche des weltweit aufstrebenden Wirtschaftszweigs abdeckte, wöchentlich alle Entscheidungsträger der Branche, vom Hotelier bis zum Airliner, von der Bergbahn bis zum Reisebüro, vom Tourismusverband bis zum Wirtschaftsminister über neueste Entwicklungen und Hintergründe informierte. Ein Medium, das Angebot und Nachfrage in einem Wirtschaftszweig, dessen Güter nicht stapel- und lagerbar sind und es nie sein werden, zusammenbringt. Eine derartige Zeitung hatte er während seiner AUA-Zeit vermisst.
Bondi zeigt sich interessiert. Doch Walter Norden, in den 1950er Jahren in Tageszeitungen beruflich groß geworden, will nicht mehr in den Journalismus zurück. Er vereinbart mit Bondi, das Zeitungskind zum Laufen zu bringen und ein redaktionelles Team aufzubauen, das es weiterführen sollte. Nicht ohne sich eine Option zu sichern, die Zeitung innerhalb des ersten Jahres gegen Ersatz der Anlaufkosten zu übernehmen. Was auch geschah.
Wir drei Norden-Kinder (Pilot Dr. Christian Norden ist heute Manager bei Airbus Industries, Moderatorin Sibylle Norden die schönste Stimme auf Ö1) erfuhren im Sommer 1970 von den Plänen. Eine eigene Zeitung! Es war für uns wie ein neues Geschwisterl. Anfang September wurden zu Hause am Verandatisch die ersten Aussendungen einkuvertiert, was eine schöne Auffettung für's Taschengeld brachte. Wenig später prangte der Entwurf der ersten Titelseite an der Wand im Wohnzimmer. Da und dort gab’s noch einige Korrekturen und schließlich war es soweit: Ende September kam die „tourist austria“ zur Welt. In einem Kinderwagen im Wiener Nobelhotel Bristol wurde sie von den Spitzenvertretern des österreichischen Tourismus aus der Taufe gehoben. Die erste Headline: „Alle reden davon, die Meinungen sind geteilt: STAATSSEKRETÄR?“ Sie blieben es bis heute.
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