Die Freude im Juli 2008 über die Einbeziehung des Tourismus mit 5 Mio. Euro in den Klimanfonds war groß. Fachverbands-Obmann Klaus Ennemoser begrüßte „die rasche Umsetzung dieses Branchenwunsches und die entsprechende Berücksichtigung des Tourismus bei der Verteilung der Fördermittel“, die für ihn „im wahrsten Sinn des Wortes Goldes wert“ war. Die ÖHV (Österreichische Hoteliervereinigung) sah „eine zentrale Forderung vom ÖHV-Hotelierkongress 2008“ realisiert. Jetzt herrscht Katerstimmung: nur ein einziges (!) Hotel erhält Förderung aus dem Klimafonds, die ungenutzten Mittel werden anderen Branchen zugeteilt.
Warum das „Gold“ der Hotellerie zwischen den Fingern zerronnen ist (bzw. gar nicht dorthin gelangt ist) darüber wird noch gerätselt. „Entweder wurden die Kriterien bewusst so festgelegt, dass sie kaum ein Betrieb erfüllen kann, oder es ist ohne Branchenkenntnis geschehen. So oder so – das gehört repariert“, kommentiert ÖHV-Generalsekretär Thomas Reisenzahn die ernüchternde Entwicklung. Immerhin gab es rund 80 Interessenten.
„Es war nicht einfach, der Tourismuswirtschaft diese Fördermittel zu sichern und wir werden einen Abschluss der Aktion auch nicht akzeptieren, solange sie nicht den Betrieben zugeflossen sind,“ erklärte der Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus in der WKO, Rainer Ribing, gegenüber T.A.I.
Eines der Haupthindernisse war die Auflage, dass die im Rahmen der „Mustersanierungsoffensive“ geförderten Projekte als Ergebnis eine Energiekennzahl von 25 kWh pro Quadratmeter erreichen müssen. Experten sind der Meinung, dass dieser für Niedrigst-Energie-Gebäude geltende Wert bei Sanierungen alter Objekte – wenn überhaupt – nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand erreichbar ist. Laut Reisenzahn liegt die Energiekennzahl vieler Hotelbetriebe zwischen 100 und 200 kWh pro Quadratmeter: „Dass Förderungen mit Zielvorgaben verbunden sind, ist klar, aber hier wurde weit über das Ziel hinausgeschossen.“
Ein Sprecher des Klimafonds räumte ein, dass „die Vorgaben in der Tat ambitioniert“ seien. Die Aktion sei nie als „Massenprogramm“ gedacht gewesen, sondern sollte sich von der gängigen Umweltförderung abheben und entsprechende Vorbildwirkung für das „Gebäude der Zukunft“ haben. Das Programm „Mustersanierungsoffensive“ werde „voraussichtlich“ 2010 fortgesetzt, die Detailplanungen seien noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich wäre es denkbar, die Förderung anzuheben, was allerdings eine Änderung der Richtlinien zur Voraussetzung hat, oder die Energiekennzahl zu erhöhen.
„Die Vorgaben müssen jedenfalls überarbeitet werden, denn die der Tourismuswirtschaft zugedachten Fördermittel müssen in unseren Betrieben auch ankommen und dürfen nicht einfach auf andere Branchen aufgeteilt werden“, fordert Thomas Reisenzahn. „Ein solcher Umgang mit Fördermitteln ist bei einer Branche, die ohnedies mit großen Problemen konfrontiert ist, nicht zulässig.“ Siehe auch nebenstehenden Kommentar. Der Klima- und Energiefonds wurde 2007 als Förderinstrument des Bundes gegründet und soll bis 2010 mit insgesamt 500 Millionen Euro dotiert werden. Kontrolliert wird der Fonds von Umwelt- und Verkehrsministerium.
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