Sprung der toten Katze!
Deutlich abgeschwächt hat sich in Europas Reise- und Tourismusindustrie in den zurückliegenden Monaten der bisher vorherrschende Pessimismus. Zwar erwartet sich für die nahe Zukunft niemand eine nachhaltige Erholung, doch die Phase zweistelliger Rückgänge dürfte vorbei sein. Für die stärksten positiven Impulse sorgen dabei die Länder innerhalb der Euro-Zone. Das geht aus dem, Mitte Oktober erschienenen, vierteljährlichen Bericht der ETC (European Travel Commission) hervor, der die Entwicklung der ersten acht Monate dieses Jahres analysiert und einen Ausblick auf das letzte Jahresviertel sowie 2010 liefert.
Am wenigsten dürfte sich demnach laut Rob Franklin, Executive Director der ETC, und Leslie Vella, Chairman der ETC Market Intelligence Group, die Situation in Hotellerie und Gastronomie verbessern. Die erwartete Nachfrage für diesen Bereich bleibt sowohl für die EU als auch innerhalb der Euro-Zone negativ, wobei die Aussichten besser sind, als noch vor wenigen Monaten.
Anders sieht es im Verkehrssektor, namentlich der Luftfahrt aus. Hier hat sich die Lage in den letzten Monaten auf einem niedrigeren Level eingependelt. Verbessert hat sich europaweit vor allem die Stimmung bei den Reisebüros und Reiseveranstaltern, in ein paar Ländern wird in diesem Sektor sogar wieder mit einem Wachstum gerechnet.
Wobei eines nicht übersehen werden darf: In der Mehrzahl der Länder überwiegen nach wie vor die negativen Zukunftseinschätzungen und zwar in allen drei großen Bereichen (Hotellerie, Verkehr, Reisebüros).
Die internationalen Ankünfte sind laut World Tourism Organization (UNWTO) weltweit in den ersten sieben Monaten um 7 Prozent gefallen, in Europa um 8 Prozent (in den ersten vier Monaten sogar minus 10 Prozent). Am stärksten war der Rückgang der internationalen Ankünfte mit 11 Prozent in Zentral- und Osteuropa, am wenigsten in Westeuropa mit minus 7 Prozent. Namentlich erwähnt wird von der ETC Österreich, das mit nur 4 Prozent Rückgang bei den internationalen Ankünften und minus 5 Prozent bei den daraus resultierenden Nächtigungen eine der besten Entwicklungen verzeichnete.
Die Luftfahrt erlebte laut IATA (International Air Transport Association) im August den zwölften Monat in ununterbrochener Reihenfolge mit einem Minus, wobei sich die Rückgänge gemessen am Passagieraufkommen vom freien Fall auf Werte um die minus 4 Prozent im Juli und August eingependelt haben. In diesen beiden Monaten lag die Auslastung der IATA-Airlines mit rund 82 Prozent so hoch wie nie seit September 2008. Zwischen Jänner und März sank dieser Wert auf 70 bis 72 Prozent, seit Mai geht es kontinuierlich aufwärts.
Auch Europas Hotellerie hat ihr Fett abbekommen. Zwischen Jänner und August ist die Auslastung um mehr als 8 Prozent rückläufig gewesen, die ADR (Average Daily Rate) knickte um 12 Prozent ein, der RevPAR (Revenue per available room) sogar um geschmalzene 19 Prozent. Vor allem die Betriebe in Osteuropa mussten kräftig Federn lassen, hier erreichten die Rückgänge die doppelten Werte, während Westeuropa geringfügig besser als der europäische Durchschnitt performte.
Auch hier zeichnet sich Monat für Monat eine Besserung der Situation ab. Laut ETC gibt es aber „keine Garantie, dass sich dieser Trend fortsetzt.“ Eines steht fest: bevor es zu keiner wirtschaftlichen Erholung kommt, wird es bei den Hotelraten keine nachhaltige Verbesserung geben.
Und wie geht es weiter? Im vierten Quartal 2009 wird es wieder Wachstumszahlen geben, die aber großteils darauf beruhen, dass die Vergleichswerte vom Vorjahr bereits stark von der Finanzkrise gezeichnet waren. „Wir sehen den Sprung einer toten Katze“, so der Kommentar der ETC, basierend auf einem amerikanischen Sprichwort („Auch eine tote Katze kann springen, wenn sie nur tief genug fällt“).
Manche Einschätzungen gehen davon aus, dass das vierte Quartal 2009 das Ende der Rezession in der Tourismusindustrie bringt, ausgehend von der wirtschaftlichen Erholung vieler Länder im dritten Quartal. Die ETC bleibt demgegenüber skeptisch: eine Erholung der internationalen Ankünfte in Europa auf ihre früheren Top-Werte wird es nicht vor dem Jahr 2011 geben.
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