Das „Skiopening“ Ende voriger Woche in Sölden war mit einer Premiere verbunden: Erstmalig präsentierte sich bei diesem spektakulären Start der Wintersaison das Urlaubsland Österreich mit einem kräftigen Werbeauftritt. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner begründete dies mit dem Erfolg der „Inlands- und Nahmärkte-Kampagne“ für den Sommer, die nun für die weiße Saison ihre Fortsetzung findet. ÖW-Chefin Petra Stolba: „Ein Spaziergang wird es sicher nicht, aber wir sind mit unserem Angebot gut aufgestellt und starten mit Rückenwind in den Winter.“
Der Auftritt der ÖW in Sölden mit fernsehwirksamer Werbung an der Rennstrecke und im Ort bleibt zunächst die einzige Aktion bei Skirennen. „Es wäre wenig sinnvoll, mit einer Kampagne, die ja nicht zuletzt an die Inländer adressiert ist, bei Veranstaltungen aufzutreten, die etwa ab Jänner stattfinden. Da sind die Reiseentscheidungen bereits getroffen“, begründet das Petra Stolba.
Mit dem – durch interne Umschichtungen – um 1,5 Mio. auf 15 Mio. Euro aufgestockten Winterbudget der ÖW werden jedoch Aktionen in den Herkunftsländern durchgeführt, etwa in den Niederlanden und Belgien. Bei Prognosen für die Wintersaison wird allgemein Zurückhaltung geübt. Mitterlehner leitet aus der Tatsache, dass die Wirtschaftskrise bisher für den Tourismus nur wenig spürbar war, die Hoffnung auf ein Halten der Vorjahrsergebnisse ab. Allerdings nur bei den Nächtigungen: aufgrund der zunehmenden Spargesinnung der Gäste muss mit einem Umsatzminus von 4 bis 5 Prozent gerechnet werden. Das war bereits im zu Ende gehenden Sommer festzustellen, der – bezüglich Nächtigungen – Dank dem August-Rekordergebnis und dem mit 1,4 Prozent Nächtigungszuwachs besten September seit zehn Jahren entgegen pessimistischen Voraussagen nur ein Minus von knapp 2 Prozent (bei den Nächtigungen ausländischer Gäste minus 2,4 %) ausweisen wird. Österreich konnte somit im Tourismus Marktanteile gewinnen. Der Rückgang bei den ausländischen Gästen konzentriert sich auf Einbrüche einiger Märkte wie vor allem Schweden (- 32,8 %), Großbritannien (- 20,4 %) und Russ-land (- 25,6 %). Bei den von der „Allianz der 10“ (ÖW plus neun Landestourismusorganisationen) besonders beworbenen Nahmärkten blieben die Schwergewichte Deutschland und Niederlande stabil, Tschechien brachte ein Nächtigungsplus von 14,2 Prozent, Italien 3,5 Prozent und die Schweiz 1,8 Prozent. Entsprechend zuversichtlich gibt man sich deshalb in den touristischen Hochburgen des Landes. „Der Tourismus hat sich bisher recht krisensicher erwiesen“, meinte der Bürgermeister von Sölden, Ernst Schöpf. „Wenn das, was wir bisher erlebt haben, eine Krise war, dann können wir damit leben. Die Stimmung in der Branche ist jedenfalls in Ordnung.“
Die Gemeinde Sölden – in deren Bereich auch die Skihochburg Gurgl bzw. Obergurgl fällt –, hält mit 2,2 Mio. Nächtigungen nach Wien die Spitze in Österreich. Mehr als 1,8 Mio. entfallen auf den Winter. Über dessen Verlauf will Schöpf aber keine Spekulationen anstellen: für ihn wäre jede Prognose, die bis zum April 2010 reicht, einfach „keck“.
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