Tourismuskonferenz erfolgreich, aber:
Incoming-Offensive ohne Incomer. Wachstum wird so nicht funktionieren!
Der Applaus der rund 200 Teilnehmer an der 1. Tourismuskonferenz am Donnerstagabend voriger Woche im neuen Teil des Palais Kaufmännischer Verein in Linz für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner war groß. Mit der Veranstaltung hat er die Tourismuspolitik Österreichs endgültig auf neue Schienen gestellt, nicht zuletzt durch die herkulische Leistung, trotz föderalem Prinzip (Tourismus ist bekanntlich Landessache) die Stoßrichtung der Maßnahmen von Bund und Ländern zu koordinieren. All das mit Ausrichtung auf das Ziel, Österreichs Tourismus-Exporte (gemessen an den daraus erzielten Einkünften, zuletzt 13,9 Mrd. Euro) bis 2015 von erwarteten 2 Prozent jährlich (wenn alles bleibt, wie es ist) auf 3 Prozent zu steigern, was ein Volumen zwischen 131 und 138 Millionen Nächtigungen im Jahr 2015 bedeuten würde. Gelingt dies nicht, wird Österreich im Vergleich zu den EU-15 Ländern weiter Marktanteile verlieren.
Wobei der zusätzliche Wachstums-turbo nicht aus dem Inland kommt (der hat, wie der Sprecher des Experten-beirates zur österreichischen Tourismusstrategie, Hansruedi Müller, Universität Bern, betonte, lediglich stabilisierenden Charakter) und auch nicht aus den traditionellen Quellmärkten (Mitterlehner: „Hier besteht eine Wachs-tumsschwäche“), sondern aus den sechs „neuen“ EU-Mitgliedern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien, sowie aus den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). Diese weisen bekannter Maßen allesamt überproportionale Steigerungsraten auf. Die Incoming-Offensive der kommenden Jahre sollte sich also vorrangig auf diese Länder konzentrieren (ohne die übrigen Märkte zu vernachlässigen).Das Problem: bei den meisten dieser Hoffnungsmärkte handelt es sich um solche, bei denen das touristische Ge-schäft von und nach Österreich ohne Einbindung von Reiseveranstaltern bzw. Incomern nicht funktioniert. Und daraus ergibt sich das einzige wirkliche Manko der 1. Tourismuskonferenz: dort saßen – bis auf den Fachverbandsvorsteher der Reisebüros Edward Gordon und Felix König (Raiffeisen Reisewelt bzw. Fachgruppenobmann-Stv. der Wirtschaftskammer Oberös-terreich), die aufgrund ihrer Funktionen eher beobachtenden Status hatten – keine Vertreter der Reisebürobranche geschweige denn eines Incomers.
Da wunderte es nicht, dass Mitterlehner bei der Vorstellung des geplanten „Strategie-Forums“ (es soll künftig einmal im Jahr unter der Federführung der Österreich Werbung zusammentreten) als vorgesehenen Teilnehmerkreis Bund, Länder, WKÖ, ÖHV, Destinationen, Leitbetriebe und Wissenschaft nannte, Reisebüros und Incomer aber mit keinem Wort erwähnte.
Bei der „systematischen Weiterentwicklung des Tourismus in Richtung Erfolg“ (Mitterlehner) wird dies noch zu ändern sein. Wobei der Minister gleich in seinem Eröffnungsstatement betonte, dass „nichts vorgegeben und in feste Strukturen gegossen wird, sondern freie Rahmenbedingungen“ geschaffen werden. Wichtig dabei ist vor allem die erstmals zum Tragen kommende, eingangs erwähnte Abstimmung von tourismuspolitischen Themen zwischen Bund und Bundesländern.
Mitterlehner: „Es ist ein solides Grundkonzept. Wir haben noch nie eine so tolle Systematik gehabt. Wir brauchen sie jetzt nur auszufüllen.“ Dazu sind alle am Tourismus Beteiligten aufgefordert, denn so Mitterlehner: „Der Kampf um die Marktanteile ist voll im Gange und wild entbrannt.“
Die nächste, bereits 2. Tourismuskonferenz wird im Frühjahr 2012 über die Bühne gehen. Der Ort steht schon fest: Schladming, wo ein Jahr später die Alpine Ski-WM stattfindet. Mehr über die Tourismuskonferenz unter:"Mehr Inlandswerbung? Experten sagen 'nein'" , "'Tourismus-Staatsvertrag' vereint Bund und Länder" und "Ministerielle Spendierhose Mehr Förder-Geld für alle!"


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