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In sieben Tagen Österreich komplett beschneibar

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Rund 10.000 Schneeerzeuger bundesweit machen das möglich – Wasser und Luft als einzige Zutaten – Energie-Effizienz extrem gestiegen

Der niederschlagsarme Herbst 2011 hat die Nerven vieler Touristiker strapaziert und Wintersportfans ein großes Maß an Geduld abgefordert. Für Martin Eppacher, Technischer Leiter und Prokurist von TechnoAlpin Austria, der Österreich-Tochter des in Bozen beheimateten Weltmarktführers im Bereich Schneeerzeugung, stellen derartige Extreme keine Ausnahme dar: „Die Situation ist jedes Jahr unterschiedlich, langfristig gesehen wechseln sich Schnee intensive Winter mit Schnee armen ab, eine große Veränderung können wir nicht erkennen.“ Heuer erwartet er sogar einen harten Winter. Doch egal, wie die Saison wettermäßig ausfällt: ohne professionelle Schneeerzeugung kommt heute kein ernst zu nehmendes Skigebiet mehr aus. Das hat weniger mit dem viel strapazierten Klimawandel zu tun als vielmehr mit der gegenüber früher extrem gestiegenen Frequenz auf den Skipisten.

 

 

Diese ist im zurückliegenden Jahrzehnt gemessen an Skier-Days von 45,6 Millionen um mehr als 12,2 % auf 51,2 Millionen gestiegen (der Spitzenwert lag im Winter 2008/09 sogar bei 56,8 Millionen). Die Zahl der Beförderungen ist tendenziell sogar noch ein wenig stärker (um 12,6 %) gestiegen, mit 588,1 Millionen wurden im Vorjahreswinter um 65,9 Millionen mehr Bergfahrten unternommen, als im Winter 2000/01. Entsprechend gestiegen ist die Beanspruchung der Pisten, deren Pflegeaufwand an Intensität enorm zugenommen hat. Martin Eppacher: „Früher wurden die Pisten vielleicht dreimal pro Woche bearbeitet, heute erfolgt das jeden Tag.“ Ohne professionell erzeugten Schnee wäre das alles nicht mehr zu bewerkstelligen. Wobei die Effizienz der Schneeerzeuger im letzten Jahrzehnt eine bemerkenswerte Steigerung verzeichnet hat. Das betrifft sowohl die (optimierte) Steuerung als auch den vereinheitlichten Aufbau der unterschiedlichen Geräte (was die Wartung günstiger macht) sowie die Energieeffizienz.

Zwei Produktgruppen haben sich bei den Schneeerzeugern herauskristallisiert: Lanzen (für schmale, windgeschützte Bereiche) und Propeller (für große, breite Pistenflächen). Die Lanzen kosten zwischen 8.000 Euro und 14.000 Euro pro Gerät, die Propeller bewegen sich in einer Preisklasse von 25.000 bis 40.000 Euro. Während die Lanzen im Optimalfall (-10 Grad, niedrige Luftfeuchtigkeit) maximal 40m³ Profi-Schnee pro Stunde erzeugen können, liegt dieser Wert bei kleinen Propellern zwischen 50 und 60 m³, bei den großen sind es 80 bis 90 m³.

Das so ausschließlich aus Wasser (1 m³ Meter Wasser erbringt 2,5 m³ Profi-Schnee) und Luft erzeugte Schneekristall ist von seiner Form her kompakter als sein Naturschnee-Pendant, was eine geringere Menge an Schnee notwendig macht, um optimale Pistenverhältnisse (30 cm dicke Schneeschicht) herzustellen. Martin Eppacher: „Um diese 30 cm durch Präparierung mit Pistenraupen zu erreichen, muss die Schneedecke bei Naturschnee rund 1 Meter hoch sein, beim professionellen Schnee genügen 30 cm.“

Pro Tag schafft es damit ein einziger großer Propeller im Optimalfall ein ganzes Norm-Fußballfeld mit 30 cm fertig präparierter Pistenfläche zu bedecken. In top-ausgerüsteten Skigebieten (z.B. Saalbach) ist damit eine Grundbeschneiung (optimale Schneeschicht für optimalen Skilauf) innerhalb von nur drei Tagen möglich. In anderen Gebieten mit älteren Schneeerzeugern wird dies sieben bis acht Tage in Anspruch nehmen. Eppacher geht davon aus, dass jene 66 Prozent von Österreichs Skipisten, die professionell beschneit werden (2006 waren es erst 50 %), von der grünen Wiese weg innerhalb von nur einer Woche perfekt betriebsbereit sind.

Wobei die professionelle Schneeerzeugung alles andere als eine Umweltbelastung darstellt: Zutaten sind wie erwähnt reines Wasser und Luft, die von TechnoAlpin stammenden Modelle werden zudem seit 1999 ausschließlich mit Öl freien Kolbenkompressoren ausgestattet. Chemische Zusätze sind in Österreich gesetzlich verboten und laut Martin Eppacher auch gar nicht notwendig, denn die elektronische Regelung und Steuerung lässt jede gewünschte Schneekristall-Konstellation zu, von eher trocken-griffig (in Österreich bevorzugt) bis eher eisig (in Frankreich präferiert). Parameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden dabei permanent berücksichtigt. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit (max. ca. 35 %) ist professionelle Beschneiung ab +3 Grad Celsius möglich. Wobei es die TechnoAlpin-Ingenieure sogar zuwege gebracht haben, für Krasnojarsk in Sibirien Scheeerzeuger anzufertigen, die auch bei minus 30 Grad optimal funktionieren.

Vom Energieverbrauch her kommt eine Lanze auf ca. 4 kW pro Stunde, ein großer Propeller bringt es auf 20 kW. Im Jahresdurchschnitt ist ein Schneeerzeuger laut Martin Eppacher 300 bis 400 Stunden im Einsatz, die Bandbreite reicht je nach Skigebiet und Einsatzort (fix oder variabel) von 100 bis 900 Stunden. Doch auch bezüglich Stromverbrauch kann Martin Eppacher mit einem interessanten Vergleich aufwarten: „Der Gesamtenergieaufwand pro Skier Day liegt bei 4 bis 6 kW-Stunden. Das ist derselbe Wert für die Essenszubereitung pro Gast in einem 4- oder 5-Sterne Hotel. Pro Nacht und Gast fallen in einem Hotel oder bei einem Thermen-Besuch sogar 30 kW-Stunden an.“

Die Aufrüstung von Österreichs Wintersport-Regionen mit Lanzen und Propellern, um durch professionell erzeugten Schnee optimale Pistenverhältnisse zu sorgen und die Launen des Wetters zu glätten, verschafft dem Tourismus vor allem eines: Planungssicherheit. Während Skigebiete früher im Extremfall erst im Jänner in Betrieb gehen konnten, ist heute Mitte Dezember die Regel. Auch wenn einmal, wie heuer, der Herbst trocken und warm war. martin.eppacher@technoalpin. com, www.technoalpin.com

Die TechnoAlpin-Story

1983 nahmen die beiden Betriebsleiter des südtiroler Skigebietes Obereggen (eines der Top 40 der Alpen), Georg Eisath und Walter Rieder, den ersten aus den USA gelieferten Schneeerzeuger in Betrieb. Er erwies sich aufgrund der klimatischen Verhältnisse als unbrauchbar. Beide machten sich deshalb daran, ein eigenes Modell zu entwickeln, unter Verwendung eines Heulüfters sowievon  Sprühdüsen aus der Landwirtschaft. Der Prototyp war 1984 fertig und er überzeugte. Was folgte, war der Aufstieg zum Weltmarktführer mit an die 100 Mio. Euro Jahresumsatz (ein Fünftel davon in Österreich). Der Weltmarktanteil von TechnoAlpin liegt bei 35 bis 40 Prozent, es ist der einzige global aktive Anbieter, von Australien bis Sibirien, von Neuseeland bis Kanada. In Österreich zählen von den 255 Skigebieten 186 zu den TechnoAlpin-Kunden.
Das Unternehmen erzeugt sämtliche Komponenten und liefert alles für die Schneeerzeugung, außer Speicherteichen, von Lanze und Propeller über Pumpstationen, Wasser- und Stromleitungen bis hin zu elektronischen Leitsystemen. Von der Gesamtinvestition entfällt je ein Viertel der Kosten auf Technik und Schneeerzeuger, die Hälfte auf Bau- und Erdarbeiten.

 
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