Rückenwind für Kursbuch und Leuchttürme
Mit einem tollen Ergebnis holt sich OÖ Schwung für die weitere Umsetzung seiner Strategie bis 2016
Oberösterreichs Tourismus hat keine einfachen Jahre hinter sich. Was im Winter an Nächtigungen dazugewonnen werden konnte, ging im Sommer in noch stärkerem Ausmaß verloren (die beiden Halbjahre verhalten sich derzeit ca. ein Drittel zu zwei Drittel von den Nächtigungen her). Das Tourismusjahr 2010/2011 brachte jedoch eine starke Gegenbewegung. Die 2,4 Millionen Ankünfte (plus 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) stehen auf dem höchsten Wert seit Erfassung der Tourismusstatistik und mit 6,9 Millionen Nächtigungen (plus 3,1 Prozent) wurde erstmals wieder das Niveau von Mitte der 1990er Jahre sowie von 2008 erreicht. Auch die Umsätze steigen, allein in der Sommersaison waren es plus 4,6 Prozent. Damit es weiter aufwärts geht, wurden zu Beginn des Jahres mit dem „Kursbuch Tourismus Oberösterreich 2011 bis 2016“ die Rahmenbedingungen für die strategische Positionierung des Tourismuslandes OÖ neu geregelt. Seither wurden in zahlreichen Arbeitsgruppen, oftmals unter Einbindung
externer Experten, Maßnahmen zur Umsetzung entwickelt und auch erste Schritte gesetzt. Vor wenigen Tagen zogen Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Viktor Sigl, der Vorstand des OÖ Tourismus Karl Pramendorfer und Spartenobmann Robert Seeber Zwischenbilanz.
U.a. wurden die betrieblichen Förderrichtlinien zur Gänze mit jenen des Bundes abgestimmt (siehe Kasten). Darüber hinaus werden gemäß der neuen Richtlinien Landesförderungen für Tourismusverbände (TVB) nur dann gewährt, wenn diese mit Betrieben kooperieren und buchungsrelevante Angebote entwickeln.
Kernstück des neuen Kursbuches sind aber nicht die Förderungen, sondern ist die Festlegung von „Innovationsfeldern“ zur Steigerung von Angebotsqualität und Professionalisierung. In diesem Zusammenhang wurde von März bis Oktober ein Markenevaluierungsprozess durchgeführt, wobei 24 Begriffe aus 21 oö Tourismusdestinationen unter die Lupe genommen wurden. Ergebnis: zu jenen Destinationen, die das größte Markenpotenzial aufweisen, zählen das Salzkammergut, die Donau, Linz und das Mühlviertel. Karl Pramendorfer: „Das Salzkammergut, Linz und die Donau werden nun gemeinsam mit dem OÖ Tourismus in einen Markenvertiefungsprozess treten. Ziel ist es, ein Markenhandbuch zu erarbeiten, das künftig von allen gemeinsam verbindlich umgesetzt wird.“
Bei der Bewerbung konzentriert sich der OÖ Tourismus künftig auf herausragende Angebote („Leuchttürme), die über die im Kursbuch definierte Oberösterreich-DNA (z.B. Kulinarik, Natur, Brauchtum) verfügen müssen. Pramendorfer: „Sie sollen durch ihre Ausstrahlung beim Gast eine besondere Begehrlichkeit wecken und maßgeblich für die touristische Wertschöpfung im Land sein.“ Nach der Evaluierung durch einen Beirat werden die ersten „Leuchttürme“ ab 2012 in die Marketing- und Serviceleistungen des OÖ. Tourismus und der jeweiligen Markendestinationen integriert.
Ebenso im Kursbuch festgelegt ist der klare Fokus auf Online-Marketing und Vertrieb. Für dessen Umsetzung wurden in zahlreichen Arbeitskreisen und Workshops die Weichen für ein zentrales Tourismus-Informationssystem (Tourdata) gestellt, das künftig die Basis aller Online-Aktivitäten ist. 444 Gemeinden, 8.900 Gastronomie/ Beherbergungsbetriebe, 800 Veranstaltungen, 550 Touren, 450 Pauschalangebote und 11.800 Points of Interest sind bereits in dieser gemeinsamen Tourdata erfasst und können nun auf unterschiedlichsten Plattformen (wie z.B. Ortsseiten, oberoesterreich.at, austria.info) und Anwendungen ausgegeben werden. Die TVBs und Betriebe können diese Daten zudem für den eigenen Internetauftritt nutzen, oder auch für die Produktion von Katalogen, Veranstaltungskalendern oder mobilen Webanwendungen.
Parallel dazu wird an einem neuen Webkonzept gearbeitet, mit dem die Internet-Auftritte von OÖ. Tourismus und der Tourismusdestinationen vereinheitlicht werden sollen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die noch punktgenauere und zielgerichtetere Ausbildung in den Tourismusschulen, im Kursangebot des WIFI etc. Mit dazu gehört die in Entwicklung befindliche Lehrlingskarte mit, so Spartenobmann Robert Seeber, „vielerlei Angeboten und Vorteilen, die für junge Leute ein zusätzlicher Motivator sein soll, eine Berufskarriere in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zu überlegen und eine Lehrausbildung zu starten.“ (siehe auch "ÖHV als erste am Zug bei der Lehrlings-Card").
Mit all diesen Maßnahmen will der OÖ Tourismus den Aufwärtstrend des zurückliegenden Jahres absichern. Nach oben hin besteht zumindest bezüglich der Übernachtungen noch viel Potential. Auch wenn die 7 Millionen-Hürde in greifbare Nähe gerückt ist: bis Anfang der 1990er Jahre stand ein 8er an erster Stelle.
So fördert OÖ den Tourismus
Bei Innovationskosten über 100.000 Euro können Betriebe ihre Projekte beim Bund (Österreichische Hotel- und Tourismusbank ÖHT) sowie beim Land einreichen. Im Falle einer positiven Beurteilung beträgt der Zuschuss ca. 10 Prozent der förderbaren Kosten, die Bund und Land gemeinsam aufbringen. Bei Projekten mit Investitionskosten unter 100.000 Euro ist ausschließlich das Land zuständig. Im Fall einer positiven Beurteilung beträgt der Zuschuss ebenfalls max. 10 Prozent der Kosten.
Weiters wurde die Förderung von ERP-Krediten verlängert. Bei Investitionen zwischen 1 und 4 Mio. Euro gewährt das Land einen Zinsenzuschuss bis max. 3 Prozent zum ERP-Kredit. Landesrat Viktor Sigl: „Diese Förderaktion wird bis Ende 2013 verlängert.“


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