• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
Prev Next

Wildschönau bald unter Tirols Top 10 Skigebieten

Der Zusammenschluss zweier Bergbahnen mit dem Nachbartal soll Investoren anziehen

Seit über 40 Jahren vermarktet der Tourismusverband Wildschönau bereits das naturschöne Hochtal in den Kitzbüheler Alpen als Ganzjahresdestination, musste in den letzten Jahren allerdings Einbußen bei den Nächtigungen hinnehmen. Mit der spezifischen Struktur der Beherbergungsbetriebe begründet Thomas Lerch, Geschäftsführer Tourismusverband Wildschönau, unter anderem diese Entwicklung. An einer Gegenstrategie wird bereits gearbeitet: Der geplante Zusammenschluss mit dem Nachbartal soll das beliebte Ski- und Wandergebiet bald schon unter die Top Ten Tirols hieven sowie neue Investoren anlocken.

 

 

T.A.I.: Wie ist die heurige Wintersaison in der Wildschönau bisher verlaufen und mit welchem Endergebnis rechnen Sie?

Lerch: „Die bisherige Saison verlief zufriedenstellend. Der späte Wintereinbruch hat allerdings auch einen späteren Saisonstart mit sich gebracht. Die momentane Schneesituation ist allerdings so gut, dass das wett gemacht werden kann. Die Anfrage- und Buchungssituation für den Restwinter ist gut.”

T.A.I.: Die Wildschönau hat eine zweisaisonale Ausrichtung. Wie verteilen sich die Gäste und welche Schwerpunkte gibt es?

Lerch: „Die Verteilung der Saisonen sind ca. 58 Prozent im Winter und 42 Prozent im Sommer. Neben dem klassischen Produkt Skifahren sind die Schwerpunkte im Winter Familien, Angebote für Anfänger und Wiedereinsteiger, Alternativen zum klassischen Skilauf und Tourenskilauf. Im Sommer ist das Hauptthema Wandern. Dazu kommen die Themen Familie, Genuss, Kultur und Brauchtum. In sportlicher Hinsicht sind E-Biken, Paragleiten und Hochseilgarten voll im Trend.”

T.A.I.: Welche Ergebnisse konnte die Wildschönau in den letzten beiden Saisonen konkret erzielen?

Lerch: „In der Sommersaison 2011 mussten wir bei den Übernachtungen ein leichtes Minus von 1,55 Prozent hinnehmen, konnten aber bei den Ankünfte mit einem 0,4 Prozentplus zulegen. Die Wintersaison 2010/2011 erbrachte bei 433.000 Übernachtungen ein Minus von 3,3 Prozent und bei 81.000 Ankünften ein leichtes Minus von 2,9 Prozent.”

T.A.I.: Die Nächtigungen gingen in den letzten Jahren etwas zurück. In welchen Segmenten verliert die Wildschönau, in welchen verzeichnen Sie Zugewinne?

Lerch: „Von den Segmenten her verliert die Wildschönau vor allem bei den Privatzimmern und bei den 1- und 2-Sterne-Betrieben. Zuwächse verzeichnen hingegen die 4-Sterne-Hotels und Ferienwohnungen bzw. -häuser.”

T.A.I.: Hotels, Pensionen und Privatvermieter im 3-Sterne-Segment bilden in der Wildschönau das gros der Beherbergungsbetriebe. Wie hängt die Struktur dieser Betriebe mit der Gästeentwicklung zusammen?

Lerch: „Die Wildschönau benötigt mehr Betten im 4-Sterne und 4-Sterne Plus Bereich, denn die Nachfrage ist gegeben. Im 3-Sterne-Segment sind wir gut abgedeckt und haben auch eine Reihe guter Betriebe. Wie überall in Österreich hören auch viele Betriebe auf zu vermieten, vor allem im Privatzimmer- und im 1- bis 2-Sterne-Bereich. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt in der Wildschönau auch der Jugend- und Schultourismus. Aber auch hier lassen sich nur noch qualitativ gute Betriebe vermitteln.”

T.A.I.: Was sind die bedeutendsten Quellmärkte, beobachten Sie hier Verschiebungen?

Lerch: „Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Frankreich, Zentraleuropa, Österreich sind unsere wichtigsten Märkte. Verschiebungen gibt es vor allem durch Rückgänge in Deutschland und Großbritannien. Zuwächse verzeichnen wir in den Niederlanden, Zentraleuropa und Österreich. Neue Märkte sind Italien und Spanien.”

T.A.I.: Eine neue Erlebniskarte soll Gäste wieder stärker an die Region binden. Was ist das Besondere daran?

Lerch: „In der neuen Erlebniskarte sind viele Leistungen inkludiert, ohne Aufpreis und ab der 1. Übernachtung. Im Sommer sind es z.B. die Bergbahnen, Museen, Schwimmbad, Wanderprogramme etc. Dazu kommen noch viele Bonusleistungen in und außerhalb der Wildschönau. Im Winter sind es Schneeschuh- und Winterwanderungen, Schneeschuhverleih, Skibusse, Nachtbus, Museen etc. und ebenfalls viele Bonusleistungen, die die Card attraktiv machen. Dementsprechend gut wird die Karte von den Gästen angenommen.”

T.A.I.: Stichwort „Zwischensaisonen“: Was sind die wichtigsten Events im Jahreslauf und welche Rolle spielen sie für den Tourismus der Wildschönau?

Lerch: „Veranstaltungen spielen eine große Rolle im Gesamtmarketing. Dabei sind es in der Wildschönau auch die vielen, kleinen Veranstaltungen, die den Charme der Region ausmachen. Zu den wichtigsten Events zählen Sommeropening, Talfest Wildschönau, Almabtriebe, Erntedankfest, Bergadvent sowie das Skiopening.”

T.A.I.: Wo sehen Sie die Stärken des Hochtales und welche Herausforderungen gilt es in naher Zukunft zu bestehen?

Lerch: „Die Stärken des Hochtals sind seine Natürlichkeit, die landschaftliche Schönheit, das gelebte Brauchtum. Dazu kommt ein vielfältiges Freizeitangebot sowohl im Sommer als auch im Winter. Die Herausforderungen der nächsten Zukunft sind Angebote noch transparenter darzustellen, Betriebe in Richtung Qualitätsverbesserungen und Spezialisierung zu lenken und Investoren für große Beherbergungsprojekte zu finden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft ist aber auch eine gute Zusammenarbeit in der Region – zwischen Tourismus und Gemeinde, Landwirtschaft und Gewerbetreibenden.”

T.A.I.: In Planung ist ein Zusammenschluss zweier Bergbahnen mit dem Nachbartal Alpbach. Wie weit ist das Projekt gediehen und welche Vorteile erwarten Sie sich davon?

Lerch: „Die Planungen sind sehr weit fortgeschritten. Eine endgültige Baugenehmigung steht noch aus. Wir hoffen aber, dass auch die restlichen Auflagen erfüllt werden können und somit einem Zusammenschluss nichts mehr im Wege steht. Wildschönau und Alpbach zählen eher zu den kleineren Skigebieten. Bei einem Zusammenschluss mit Alpbach könnte das Gebiet 130 Pistenkilometer mit 45 Liftanlagen aufweisen und käme von der Größe her unter die Top Ten der Tiroler Skigebiete. Die magische Grenze über 100 Pistenkilometer spielt im Buchungsverhalten eine große Rolle. Dadurch erhoffen wir uns, dem langsamen, aber ständigen kleinen Rückgang entgegen wirken zu können. Zusätzlich spielt die Verbindung auch für Investoren eine Rolle, denen das Skigebiet bislang zu klein war.”

Wildschönau auf einen Blick

Die Wildschönau (4.131 Ew.) im Bezirk Kufstein in Tirol liegt in einem 24 km langen Hochtal in den Kitzbüheler Alpen. Bereits seit 1969 besteht der Tourismusverband Wildschönau, dessen Geschäfte seit 2003 von Thomas Lerch (51 J.) geführt werden. Der gebürtige Schrunser, er studierte an der Universität Innsbruck Tourismus, leitete davor 7 Jahre das Tourismusbüro in Tschagguns/
Vlbg. 742.000 Nächtigungen generierte das Tiroler Hochtal vergangenes Jahr (- 1,8%) insgesamt, sein Budget betrug 2011 rund 1,4 Mio. Euro.

Add comment

Diskutieren Sie mit auf TAI.at! Bitte halten Sie die Netiquette ein und diskutieren Sie sachlich und respektvoll.

Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.

Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.

Security code
Refresh

Suche auf TAI.AT