Albrecht der AUA-Sanierer
Positive Ergebnisse für die AUA – das ist wie „Warten auf Godot“. Angeblich war sie 2007 saniert, doch das entpuppte sich mehr als Wunschvorstellung denn Realität und der Mini-Gewinn verflüchtigte sich wie eine Fata Morgana. Seither wird, wie bereits davor, saniert und versprochen. Anfang dieser Woche erntete das AUA-Management von den Medienvertretern nur noch Kopfschütteln für die x-te Sanierungsrunde in x Jahren. Alles schon gehört. Geblieben ist das Minus.
Jetzt kommt Albrecht. Ein „nice guy“. Doch der Eindruck täuscht. Wer erwartet hatte, dass uns hier von Lufthansa ein Leichtgewicht serviert wird, musste seine Meinung mittlerweile revidieren. Jaan Albrecht lässt keine Zweifel aufkommen, wer im Vorstand das Sagen hat. Nett im Umgang mit seinen Mitmenschen, hart und kompetent in der Sache. Das hat es in dieser Form bei der AUA schon ewig nicht mehr gegeben. Darüber hinaus ist er mit einem enormen Backing durch den Konzernvorstand ausgestattet.
Vorschusslorbeeren gibt’s trotzdem keine. Auch keine 100 Tage Schonfrist. Das jetzt präsentierte Restrukturierungskonzept stand nach 70 Tagen. Inhaltlich fallen drei Dinge besonders aus:
- Es gibt ein klar definiertes Feindbild: der (wortwörtlich) Kampf gegen Air Berlin und FlyNiki;
- Es wird endlich die längst überfällige Flottenharmonisierung im wichtigsten und derzeit auch verlustträchtigsten Segment, der Mittelstrecke, vollzogen und das im Schnelltempo;
- Es wird eine Wachstumsperspektive in Aussicht gestellt und das ganz konkret mit vier zusätzlichen Langstreckenfliegern bis 2014.
Doch das schönste Resturkturierungskonzept ist nicht das Papier wert, auf dem es steht, so es nicht mit Punkt und Beistrich umgesetzt wird. Vor allem daran wird sich Jaan Albrecht messen lassen müssen. Und es wird sich dabei weisen, ob er in völliger Naivität oder Unkenntnis österreichischer Gepflogenheiten mit der Forderung gehandelt hat, den gordischen Knoten der Kollektivverträge aufzulösen, oder ob er tatsächlich das Zeug dazu hat, diesen gegen den Widerstand der Gewerkschaften notfalls auch zu durchschlagen.
Albrecht – das ist ein Name mit Tradition in der Geschichte Österreichs, meist verbunden mit einem Beinamen. Diese hatten eine Bandbreite von Albrecht dem Reichen, über Albrecht den Weisen, den Frommen, den Verschwender, den Geduldigen oder den Lahmen. Auch römisch-deutsche Könige fanden sich darunter und erfolgreiche Feldherren. Albrecht der AUA-Sanierer fehlt noch in dieser Auflistung. Ob sich das ändern wird, sollte sich alsbald weisen. Zweifel sind angesichts der unzähligen Fehlversuche seiner Vorgänger an der AUA-Spitze geboten, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, blickt nicht alleine mit Spannung den kommenden Wochen und Monaten entgegen der


Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.
Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.