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Mehr Kurz

Goethe hat mit seinem Götz von Berlichingen nicht nur ein literarisches Spitzenwerk, sondern auch einen reichen Zitatenschatz hinterlassen. Dieser eigenet sich für viele Situationen des täglichen Lebens. Der wohl berühmteste Spruch des Götz liegt vielen von uns auf der Zunge, wenn es etwa um das aktuelle politische Geschehen in Österreich und Europa geht.

 

Götz kann aber auch mit anderen Sprüchen aufwarten. Etwa „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ Dieses Zitat – in abgewandelter Form – fiel dem Schreiber vorliegender Zeilen ein, als er auf dem Hotelier-Kongress am Dienstag in Schladming den Ausführungen eines gewissen Sebastian Kurz folgte, seines Zeichens Staatssekretär für Integration. Jener Jung-Politiker, der im letzten Wahlkampf als Chef der jungen ÖVP mit einem Benzin fressenden „Geilomobil“ Marke Hummer durch Wien kurvte, um für die Volkspartei zu werben. „Instinktlos“ nannte das „Scorpios“ und traf damit den Nagel auf den Kopf. Nach seiner Ernennung zum Staatsekretär war Kurz nicht unverdient einem wochenlangen medialen Dauerfeuer ausgesetzt. Danach wurde es still. Seit Dienstag dieser Woche wissen die TeilnehmerInnen des ÖHV-Kongresses warum: Den Kritikern ist jegliche Munition ausgegangen.
Den Hoteliers präsentierte sich alles andere als ein unreifer Yuppie, sondern ein Mid-Zwanziger, der sympathisch und kompetent, intelligent und geerdet über eines der meist missverstandenen und missbrauchten Themen referierte, jenes der Integration. Hier gelte es zunächst zwischen den 100.000 bis 150.000 Zuwanderern pro Jahr (denen 80.000 Auswanderer gegenüber stehen) und den 10.000 bis 15.000 Asylwerbern, von denen 2.000 bis 2.400 die Bleibeerlaubnis erhalten, zu unterscheiden.
In Österreich gibt es 1,5 Millionen Menschen mit Migrations-Hintergrund, das entspricht einem Fünftel der Bevölkerung. In Wien sind es sogar knapp zwei Fünftel (in der T.A.I.-Redaktion ein Viertel). Dies trifft auch auf 25 Prozent der Volksschüler in Österreich zu, in Wien auf die Hälfte.  
Als Integrations-Staatssekretär hat sich Kurz „bewusst für einen positiven Zugang“ zu dem Thema entschieden, der da lautet: „Integration durch Leistung“. Es gebe dafür keine Welt-Lösung, sondern nur eine mit vielen kleinen Schritten. Einige davon (in Summe mehr als 20) wurden bereits gesetzt, allen voran der Fokus auf „Spracherwerb“ (Sprachkurse schon im Kindergarten), die Möglichkeit „Einsatz zeigen“ zu können (sowohl bezüglich Erwerbstätigkeit, als auch für ehrenamtliche Tätigkeiten, wie z.B. Beitritt zur Freiwilligen Feuerwehr, was bis vor kurzem noch in zwei Bundesländern verboten war) und als dritten Hauptpunkt „Respekt für Österreich“ (u.a. 130 Integrationsbotschafter mit Migrationshintergrund auf Roadshow durch Österreichs Schulen; „Dialog-Forum Islam“ mit Zielrichtungen Gleichstellung von Mann und Frau, Imam-Ausbildung in Österreich und nicht in der Türkei sowie Religionsfreiheit).
Seit Juni habe Österreich zudem eines der besten Zuwanderer-Gesetze der Welt, bei dem viele erfolgreiche und wirksame Module aus anderen Ländern übernommen wurden. So wird u.a. definiert, in welchen Branchen Zuwanderer benötigt werden und in welchen nicht.
Doch weniger der Inhalt als vielmehr die Art, wie dieser vorgetragen wurde, überzeugten die Kongress-Teilnehmer. Auch bei den nachfolgenden Frage-Runden erwies sich Kurz als kompetent und sattelfest. Die Mehrheit war sich im Anschluss einig: Hier referierte eine der größten politischen Nachwuchshoffnungen Österreichs, ein Jung-Politiker, der – in Abwandlung zum eingangs erwähnten Götz-Zitat – in Anbetracht des tristen Umfeldes seines Berufsstandes als Bestätigung dafür gilt, dass es dort wo viel Schatten ist, auch ein starkes Licht geben kann. In diesem Sinne wünscht sich sehnlichst und mit Sicherheit nicht alleine „mehr Kurz“ der

 

Lupo

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