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Gelernte Primaten

Die digitale Welt verändert unser aller tägliches Leben privat wie beruflich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Was dem weit hinterher hinkt, ist die Erfassung dessen durch unser aller Denken. Das hat nichts mit mangelnder Intelligenz oder Neugier zu tun, ganz im Gegenteil: als gelernte Primaten steigen wir wie ein Schimpanse, der mit einem für ihn bisher unbekannten Gegenstand konfrontiert wird, von unseren geistigen Bäumen herab, drehen, wenden und probieren alles, um jedwede Verwendungsmöglichkeit dieses unbekannten Dinges auszuloten. Doch leider: die Vorstellungskraft, was für ungeahnte Potentiale in der digitalen Revolution tatsächlich noch stecken, die fehlt uns.

Nur um ein Beispiel zu bringen: Als die Mobilfunkbetreiber begannen, ihre Netze hochzuziehen, dauerte es Jahre, bis sie erkannten, welche Einnahme-Möglichkeiten in den SMS liegen. Diese wurden anfänglich als Abfallprodukt der Mobiltelefonie angesehen und es wurde ihnen keinerlei weitere Bedeutung zugemessen – von Top-Spezialisten wohlgemerkt.
Die digitale Revolution verändert das Weltgefüge stärker, als die Landung von Columbus in Amerika und die Erfindung des Buchdrucks zusammen. Das mag eine kühne Aussage sein, doch wahrscheinlich ist sie sogar noch zu kurz gegriffen. Es dauerte nahezu 300 Jahre von Gutenberg und 250 von Columbus bis zur Aufklärung, die ohne beide Ereignisse wohl nicht möglich gewesen wäre. Was wir derzeit alle erleben, sind diese 300 Jahre im Zeitraffer.
Mobile-Money in Kenya oder der durch Social Media beflügelte Arabische Frühling sind diesbezüglich nur kleine Mosaiksteinchen: die Zahl der weltweit verfügbaren Datenvolumina erreichte Mitte 2006 rund 250 Exabytes, 2011 waren es 1.750 Exabytes (1 Exabyte = 1 Trillion Bytes). Und das Tempo nimmt weiter zu: derzeit wird von einer Verzehnfachung dieses Wertes in fünf Jahren ausgegangen.
Im Tourismus, angefangen vom Transport über Vertrieb bis zur Beherbergung, spüren wir die Auswirkungen der digitalen Revolution tagtäglich. Und stehen ihr oft mit Unverständnis gegenüber, vor allem an den Schnittstellen von digitaler und realer Welt. Dort geraten nicht zuletzt die Preisgefüge völlig durcheinander, gleichzeitig verschieben sich die Kraftverhältnisse dramatisch, wie die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Hotellerie und HRS unterstreicht.
Paradelösungen dafür gibt es keine, wie sollte es auch? Das einzige, was uns – neben unternehmerischer Tüchtigkeit, Innovationsbereitschaft und Kreativität – bleibt, ist uns nach dem Vorbild der lieben Schimpansen weiter intensiv mit all den neuen Errungenschaften zu beschäftigen. Schon morgen kann Dank der digitalen Dynamik alles anders sein und eine HRS plötzlich uralt aussehen, meint

Lupo

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