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Leider keine Cashcow

Österreichs Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie zahlt jährlich 46 Mio. Euro Kommission an Buchungsplattformen im Internet, Tendenz durch die rasante Konzentration der großen  Plattformen stark steigend. Während eine Direktbuchung über die eigene Website den Buchungserlös mit 2,5 Prozent belastet, sind es beim Verkauf über Metasuchmaschinen wie Trivago bereits mehr als 20 Prozent. Etliche Landes-Tourismusorganisationen, aber auch die Österreich Werbung haben die über ihre eigenen Websites generierten Anfragen an Metasuchmaschinen weitergegeben, womit die Kosten weiter steigen. Um diese Entwicklung in den Griff zu bekommen, forderte die ÖHV bei ihrem Kongress in Schladming den Aufbau einer „nationalen“ Buchungsplattform: Sie müsste – siehe Schweiz – billiger arbeiten und daher der Hotellerie einen ordentlichen Batzen der 46 Mio. ersparen. Die Idee brachte in Mitgliederkreisen Applaus, ist aber nicht neu und damit ergibt sich die Frage, warum es so etwas nicht längst gibt.

In Südtirol ist der Hoteliers- und Gastwirte-Verband HGV gerade dabei, eine regionale Buchungsplattform aufzubauen. Die Startinvestition betrug rund 500.00 Euro. „Das wird aber noch viel teuerer,“ erklärte HGV-Präsident Walter Meister am Rande des ÖHV Kongresses. „Wir müssen fünf Vollzeit-Mitarbeiter anstellen, um die Plattform zu betreiben. Ein Profit-Center wird das nie.“ Der Verband sieht die Plattform als  Dienstleistung für die Mitglieder, die er sich leisten kann: Er generiert einen Jahresumsatz von 240 Mio.  Euro, die größtenteils über Dienstleistungen erzielt werden – bis zur Übernahme der Buchhaltung. Die Hälfte der 5.000 Mitglieder sind auch Kunden des HGV. Derzeit sind 800 Hotelbetriebe über www.booking-suedtirol.com direkt buchbar, im Anlaufjahr wurde ein Buchungsumsatz von 3 Mio. Euro erreicht. Die Betriebe zahlen keine Kommission, sondern ein Jahrespauschale von 200 Euro für HGV-Mitglieder bzw. von 1.000 Euro für Nicht-Mitglieder. Dabei bleibt es aber nicht: Die Umstellung auf eine Kommission ist vorgesehen, über die Höhe wird noch nachgedacht. Außerdem erfolgt der Anschluss an eine Metasuchmaschine. Walter Meister: „Darauf kann man einfach nicht verzichten, wenn man international Buchungen generieren will.“ Die Gesamtbelastung für den Hotelier wird nach Einschätzung von Insidern zehn Prozent mit Sicherheit übersteigen.
Vorbild für eine nationale Buchungsplattform ist das bereits seit 1998 bestehende  Switzerland Travel Centre (STC), über das auch die Buchungen auf www.myswitzerland.com, der Homepage des „Schweiz Tourismus“ laufen, auf der mehr als 2.000 Betriebe präsent sind. Träger sind neben der nationalen Tourismusorganisation die Schweizer Bahnen. Die Kommissionsbelastung beträgt sieben Prozent, eine aktuelle Studie des Hotelierverbandes Hotellerie Suisse ergab allerdings, dass sie von den Hoteliers auf mehr als zehn Prozent geschätzt wird. Mit weitem Abstand vom Marktführer www.booking.com gehört STC zwar zu den in der Hotellerie am meisten verbreiteten Plattformen, über sie laufen aber nur 1,6 Prozent des Buchungsvolumens, alle Online-Plattformen zusammen generieren 13,6 Prozent. Die nationale Plattform hat auf diesem Marktsegment also einen Anteil von 12 Prozent.
Auch wenn die Provisionsbelastung gegenüber anderen Plattformen nur halb so hoch ist, erspart die nationale Plattform der Schweizer Hotellerie unterm Strich nicht allzu viel, weil sie um die internationalen Plattformen nicht herumkommt. Das zeigt ein kleiner Praxistest: ein prominentes Hotel in Zürich bietet über STC ein Zimmer um 270 CHF an, mit 20 Prozent Rabatt, wenn auf der Plattform gebucht wird, also um 217 CHF. Das gleiche Zimmer zum gleichen Termin weist die Metasuchmaschine Trivago über 16 Buchungsplattformen aus, zu Preisen zwischen 203 und 241 Euro.
Wenn eine österreichische Plattform ähnlich erfolgreich ist wie das schweizerische Vorbild, lässt sich eine Milchmädchenrechnung anstellen: Wenn von den 46 Mio. Kommission, die an Buchungsplattformen fließen, ein Anteil von 12 Prozent auf die nationale Plattform entfällt, sind das 5,5 Mio. Euro. Die Hälfte davon könnte eingespart werden, vom Rest müsste die Plattform leben.
2,7 Mio. Euro sind zwar auch kein Schmarrn, aber selbst wenn die Zahlen daneben liegen, bleibt der Effekt auf die Vertriebskosten der Hotellerie jedenfalls weit unter den Erwartungen.
Wer soll unter diesen Umständen das Geld für den Aufbau einer Plattform in die Hand nehmen? Die ÖHV selbst ist nicht so reich wie der HGV. Die Österreich Werbung hat bereits abgewunken: Steuergeld dafür einzusetzen wäre nach dem EU-Beihilfenrecht problematisch und außerdem seien die hohen Kosten ein Problem. Aus dem Kreis der LTOs ist ebenfalls kaum Zustimmung zu hören, neben den Kosten befürchtet man eine Wettbewerbsverzerrung. Ein Kenner der österreichischen Hoteliers-Seele sieht ein ganz banales Problem: Die notorisch geringe Bereitschaft zur Zusammenarbeit würde dazu führen, dass sich nicht genügend Betriebe beteiligen.
Die Chancen, dass der Wunsch realisiert wird, sind also eher gering. Aber die ÖHV hat schon bei der Senkung der Kreditkartengebühren gezeigt, dass Hartnäckigkeit zum Erfolg führen kann. Vielleicht fällt ihr noch etwas ein, das einer Cashcow näher kommt.

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