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Von Engeln und Teufeln

Die Frage ist so alt wie die Menschheit selbst und sie tauchte diesmal auch bei der ÖHV-Tagung in Schladming auf: Ist der Mensch im Prinzip gut oder böse? Die erste These steht unausgesprochen hinter dem von Christian Felber eloquent vorgetragenen Rezept zur Rettung der Weltwirtschaft durch die Gemeinökonomie. Ein alternatives Wirtschaftsmodell, das nicht auf Gewinnstreben und Konkurrenz aufbaut, sondern auf Solidarität unter den Menschen. Christian Felber wurde mit viel Engagement von Karin Leeb unterstützt, die in ihrem Hotel Hochschober neben der üblichen auch eine Gemeinwohlbilanz erstellt. Sie ist damit eine von einigen hundert Unternehmerinnen, die das bereits tun. Doch selbst größere Veränderungen der Welt haben klein angefangen.

Die Gegenthese wurde von Christian Ortner vertreten, der journalistischen Speerspitze  des Wirtschaftsliberalismus in Österreich. Nach ihr ist jedes System, das auf das Gute im Menschen zählt, zum Untergang verurteilt, weil nur auf das egoistische Gewinnstreben Verlass ist. Aus gegebenem Anlass auf die Finanzwelt  übertragen, ist beides zu beobachten: Investmentbanker, deren Weltbild sich auf die Höhe des Jahresbonus verengt hat und dem gegenüber der Nobelpreisträger Muhammad Yunus, der mit seinem System von Kleinstkrediten, die ohne jede Sicherheit vergeben und trotzdem pünktlich zurückgezahlt werden, unzähligen Menschen in den Entwicklungsländern zur Flucht aus dem Elend verholfen hat. Sehr drastisch beschreibt diesen ewigen Zwiespalt eine bekannte Novelle von Robert Louis Stevenson: Untertags arbeitet Dr. Jekyll als Armenarzt, bei Nacht mordet er als Mr. Hyde.
Bei der Menschheit als ganzer dürfte es ähnlich zugehen, wie das Kreuzfahrtunglück vor der Küste Italiens beweist. Weil es Menschen gibt, die sich wie Kapitän Schettino verhalten, muss es auch Hafenoffiziere wie den zum Helden gewordenen Gregorio De Falco geben, die den Kapitänen auf die Finger schauen und sie notfalls mittels massiver Drohung zur Ordnung rufen. Das gilt in der Schifffahrt genauso wie in der Weltwirtschaft. Nach welchem Bild vom Menschen, dem des Engels oder dem des Teufels, sie organisiert ist, ein strikt einzuhaltender Rahmen muss immer da sein. Darüber waren sich bei der Schladminger Diskussion über die Rettung aus der gegenwärtigen Krise alle Teilnehmer, so unterschiedlich ihr Zugang sonst auch war, vollkommen einig.

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