VI will massiv wachsen
Zuerst verdoppeln, dann an die Börse
Die Vienna International Hotelmanagement AG (VI), mit 31 in neun Ländern geführten Häusern Österreichs größter Hotelbetreiber, hat kein leichtes Jahr hinter sich. Die Auseinandersetzungen zwischen den Mehrheitseigentümern, der Amber- und der Bocca-Stiftung (hinter denen die beiden Warimpex-Gründer und Hälfte-Eigentümer Franz Jurkowitsch und Georg Folian stehen) auf der einen und den 36-Prozent Eigentümern rund um den früheren Vorstandschef Rudolf Tucek, die ihre Rechte geschmälert sehen, auf der anderen Seite, haben tiefe Spuren hinterlassen und mündeten in einer ganzen Serie von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Ungeachtet dessen versucht die bis zuletzt solide Gewinne abwerfende VI wieder Tritt zu fassen und gab Anfang dieser Woche ihre diesbezüglichen Pläne bekannt. Diese lauten „massives Wachstum“.
Laut dem im Sommer zum neuen CEO bestellten Andreas Karsten (ehemals Magic Life AG bzw. Magic Life GmbH & Co KG) soll zunächst das Volumen verdoppelt werden und dann – in etwa drei Jahren – der Börsengang erfolgen. Karsten will dieses Ziel mit einer weitgehenden Neuorientierung des Unternehmens erreichen: Positionierung als Sanierungsspezialist, neues Dachmarken- und Marketingkonzept und modernste IT- und Internet-Techologie.
„To Small to Survive“ begründet Karsten die Wachstumsstrategie: Das Unternehmen sei zu klein, um sich erfolgreich vor allem im Geschäftsreisebereich im Wettbewerb mit den großen Hotelketten zu positionieren. „Im Corporate-Bereich müssen Hotels als Kette wahrgenommen werden und dazu sind deutlich mehr als 31 Häuser nötig“, erklärt Karsten (wobei wesentlich kleinere internationale österreichische Ketten, wie etwa die K+K Hotels oder Arcotel, das Gegenteil bestätigen, Anm.d.Red.). Eine Erweiterung auf etwa 60 Hotels wird angestrebt, vor allem im 3- und 4-Sterne-Segment in Städten von etwa 150.000 Einwohnern aufwärts.
Für diesen Bereich ist auch die Einführung einer neuen Marke vorgesehen, die in den nächsten Monaten präsentiert werden soll. Die erfolgreich eingeführten Produktmarken „angelo“ (sieben Hotels) und „andel’s“ (fünf Hotels) werden weitergeführt. Als verbindende Klammer wird über dem gesamten Portfolio die Dachmarke „Managed by VI“ etabliert, „als Signet für einen professionellen Qualitätsstandard“, wie Karsten betont.
Als Märkte für die Expansion stehen neben Deutschland (derzeit drei Hotels) und Österreich (acht Hotels) auch Belgien, die Niederlande und die Schweiz im Fokus, wo vor allem die Übernahme bestehender Hotels geplant ist. In Russland (drei Hotels) werden mit der (finanziell nach wie vor angeschlagenen) Warimpex als Immobilienpartner auch neue Projekte entwickelt. In den CEE-Ländern ist VI vor allem in Tschechien (zehn Hotels) und Polen (sechs Hotels) bereits gut aufgestellt, so „dass nur mehr besondere Gelegenheiten“ (Karsten) wahrgenommen werden.
Die Wachstumsstrategie baut auf den USP (Unique Selling Proposition) von VI als erfahrener Hotel-Operator auf, vor allem aber als kompetenter Sanierungsspezialist. Diesbezüglich hat sich VI seit Anbeginn (frühe 1990er Jahre) unter Tuceks Führung einen tollen Ruf erworben. Andreas Karsten sieht ein großes Potential bei Banken, Versicherungen und Finanzinstituten, die – häufig unfreiwillig – in den Besitz von Hotelimmobilien gekommen sind und die Erfahrung machten, dass sie die benötigte Rendite von 4 bis 6 Prozent in der aktuellen Betriebsform – Eigenregie oder auch mit einem prominenten Betreiber – nicht erreichen. „Unsere Stärke liegt darin, solche Betriebe zu übernehmen und sie durch individuelle, standortbezogene Konzepte zu sanieren bzw. allenfalls für einen Verkauf fit zu machen“, beschreibt Karsten die Vorgangsweise. Wesentlich dabei ist, dass damit auch der Zugang zu einer Hotelkette geboten wird. VI investiert auch künftig nicht selbst in „Beton und Stahl“, sondern beschränkt sich auf selbst gemanagte Häuser. Franchise ist nicht vorgesehen, die Qualitätssicherung sei bei diesem System zu problematisch. Unter dieser Voraussetzung soll es möglich sein, die Neuorientierung aus dem Cashflow zu finanzieren.
Eine wesentliche Rolle kommt auch VI-Travel zu, dem unternehmenseigenen Reisebüro bzw. Reiseveranstalter. Er wird verstärkt Paketangebote zusammenstellen und dabei auch mit Flugpartnern kooperieren. Der Verkauf erfolgt nicht nur über die eigene Website, sondern über Partner. Die bereits vor einigen Jahren begonnene Direktverkaufslinie mit der Handelskette „Nah & Frisch“ läuft erfolgreich, es ist aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern geplant.
Der Umsatz von VI lag im Jahr 2010 bei 164 Mio. Euro, er wurde mit 2,3 Millionen Nächtigungen erzielt. Dass das operative Ergebnis mit 1,7 Mio. Euro bescheiden ausfiel, führt Karsten auf die Sonderbelastungen zurück, die sich aus der Trennung von dem langjährigen Geschäftsführer Rudolf Tucek und dem Herauslösen seiner drei Cube-Hotels ergaben (in Summe ein zweistelliger Millionen-Betrag). Für das heurige Jahr sei deshalb ein Ergebnis im zweistelligen Millionenbereich zu erwarten. Die anhängigen Rechtsstreitigkeiten haben auf die operative Führung der VI-Gruppe keinen Einfluss. www.vi-hotels.com


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