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Tourismus mit Tripple I statt Tripple A

Mitterlehners Rezept für Österreichmitterlehner

Ferienmesse Wien, ÖHV-Kongress in Schladming, Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel, actb in Wien und Nachtslalom in Schladming – fünf absolute Top-Events für Österreichs Tourismusbranche innerhalb von 14 Tagen – das Jahr 2012 hat stark begonnen. Überschattet wird es von der Banken- und Staatschuldenkrise sowie von der Costa-Katastrophe. Von beiden war auf dem ÖHV-Kongress Anfang bis Mitte dieser Woche in Schladming nicht viel zu merken. Zwar war die Euro-Krise DAS zentrale Thema auf der Hoteliers-Tagung, doch anders als es aufgrund der medialen Negativ-Berichterstattung vermutet werden konnte: keine Spur von einer verzagten, trübsinnigen Stimmung. Stattdessen dominierten Sachlichkeit und die Überzeugung, auch die kommenden Herausforderungen mit Bravour zu meistern, wie dies der Tourismus bereits 2009 gezeigt hat. Höhepunkt der Tagung war der Auftritt von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Mittwoch. Seine Kernbotschaft: „Der Tourismus wird auch 2012 wieder gut laufen!“

 

Sachlich und wie immer sehr in die Tiefe gehend verdeutlichte Mitterlehner in seinem 45minütigen Grundsatzreferat, dass es sich bei dieser Einschätzung nicht um blinden Zweckoptimismus handelt. Er unterlegte seine Aussagen mit Fakten. Österreich habe in den zurückliegenden Jahren stets besser abgeschnitten als Europa insgesamt (2011 BIP-Wachstum 3,2 Prozent, EU-27 nur 1,7 Prozent). Daran werde sich in den kommenden Jahren nichts ändern, denn – so Mitterlehner, der damit wie einen Tag vor ihm Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bekräftigte – „Österreichs Wirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht.“ 2012 werde das BIP-Wachstum bei 0,4 Prozent liegen (Deutschland 0,5, Europa 0,0), 2013 werden für Österreich und die Bundesrepublik je 1,6 Prozent Wachstum vorausgesagt, für Europa 1,3 Prozent.

Dass Österreich sein Tripple A-Rating verlieren werde, war abzusehen: „Es ging letztlich nur noch um die Frage wann“, so Mitterlehner. Gleichzeitig betonte er, dass es Jahre dauern werde, bis das Rating „trotz aller Maßnahmen“ wieder angehoben werde. Der Grund: der Staat habe den schweren Fehler begangen, in wirtschaftlich erfolgreichen Jahren weiter mit Netto-Defiziten zu fahren, „obwohl wir längst Überschüsse hätten schreiben müssen. Die Schweiz hat gezeigt, dass es anders geht“, so der Wirtschaftsminister.

Über Details der laufenden Regierungsverhandlungen bezüglich Maßnahmenpaket konnte Mitterlehner verständlicherweise nichts verraten, zumindest aber so viel: „Es wurde allgemein erkannt: Wenn die Wirtschaft zu stark belastet wird, verschärft das die Probleme.“ Den Slogan „die Schuldenbremse darf nicht zur Wirtschaftsbremse werden“ ergänzte Mitterlehner mit dem Zusatz, dass „wir viel mehr noch die eine oder andere Unterstützung (für die Wirtschaft) brauchen werden, damit wieder Gas gegeben werden kann.“ Den anwesenden Hoteliers und Wirtschaftstreibenden beim ÖHV-Kongress gab er bezüglich Bundesregierung die Botschaft mit: „Mal sehen, was wir in den nächsten Wochen zusammen bringen.“ Nachsatz: „Ich bin optimistisch, weil es keine Alternativen gibt.“

Sowohl für den Tourismus als auch für die Gesamtwirtschaft gelte jenes Rezept, mit dem bereits die Herausforderungen 2009 gemeistert wurden: Es ist (als Gegenpol zum verlorenen Tripple A-Rating) die Tripple I Strategie. Diese laute Innovationspotential heben, Investitionen forcieren (2011 waren die Investitionen in Österreich doppelt so hoch wie im gesamteuropäischen Durchschnitt, der Tourismus habe laut Mitterlehner sogar eine noch stärkere Dynamik gehabt) und Internationalisierung fördern.

In diesen drei Bereichen will Mitterlehner auch heuer den Schwerpunkt seiner Maßnahmen legen. „Was für die gesamte Wirtschaft gilt, ist auch für den Tourismus mit bestimmten Spezifikationen nicht falsch“, so der Minister. Weichenstellungen wurden bereits vorgenommen, wie die Anhebung der ERP-Mittel für den Tourismus von 33 auf 50 Mio. Euro oder die im Vorjahr realisierte Förderpyramide (Abstimmung zwischen Bund und Ländern). Die Leuchtturm-Förderung (1 Mio. Euro, im Vorjahr wurden dafür sechs von 23 Projekten ausgewählt) wird heuer und 2013 fortgesetzt, ebenso die Förderaktion von 1 Mio. Euro, die nach Internet und Rad 2012 dem Thema familiengerechte Einrichtungen gewidmet ist.

Aufgrund all dieser Parameter geht Mitterlehner davon aus, dass es auch für Österreichs Tourismus 2012 und 2013 trotz aller negativen Rahmenbedingungen „die Grundtendenz zu einem leichten Aufschwung“ gebe. Jüngste Umfragen sowohl in Österreich als auch in Deutschland bestätigen die Tendenz in diese Richtung. Ungeachtet dessen wies Mitterlehner aber darauf hin, dass die touristischen Umsätze bestenfalls stagnieren werden.

Am mittelfristigen Ziel, bis 2020 rund 140 Mio. Nächtigungen zu erreichen, hält Mitterlehner fest, ebenso an einer Verdoppelung des Aufkommens aus den CEE-Ländern innerhalb von 10 Jahren. Zum Abschluss gab’s noch zwei Ratschläge: „Nicht nur über die Krise, sondern auch über Chancen reden“ sowie „das richtige Rating macht immer der Kunde.“ Und diesbezüglich steht Österreichs Tripple A außer jedem Zweifel – jetzt sogar mit Tripple I als Turbo.

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