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Ruhe im Porzellanladen nach Elefanten-Hochzeit

Wie die Geschäftsreise-Riesen American Express und Verkehrsbüro künftig in Österreich geeint und doch getrennt marschieren wollen

Die Vorgeschichte ist bekannt: Anfang Mai erfolgte die Meldung über den Kauf der österreichischen American Express Reisebüro GmbH durch die Verkehrsbüro Group von der American Express International Inc. (alle anderen Geschäftsbereiche von Amex in Österreich einschließlich des Kreditkartengeschäfts und des Reisegeschäfts für Karteninhaber sind davon nicht betroffen), im Juni erteilte die Kartellbehörde ihre Zustimmung. Danach begann die Arbeit mit den notwendigen Umstrukturierungen. Was sich ändert, wovon die Kunden profitieren und wie die Pläne für die Zukunft aussehen, darum ging es in einem Gespräch von T.A.I. mit den beiden neuen/alten Leitern der jeweiligen Business Units, Gerhard Aigner (Verkehrsbüro Business Travel GmbH) und Peter Tolinger (American Express Reisebüro GmbH).

T.A.I.: Was war der Grund für die Übernahme der American Express Reisebüro GmbH durch die Verkehrsbüro Group?

Aigner: „Die Suche nach einem global agierenden Partner war der ausschlaggebende Grund. Mit diesem Expansionsschritt kann die Verkehrsbüro Group ihre Sparte Geschäftsreisen besonders im weltweiten Geschäft ausbauen. Internationale Konzerne mit Niederlassungen in Österreich sowie Geschäftsreisekunden mit CEE-Geschäft können damit jetzt umfassender betreut werden. American Express war, auf Grund der Gegebenheiten am heimischen Markt, für uns der ideale Partner. Alles andere wäre ein Kompromiss und kein Konsens gewesen.“

Tolinger: „Die Philosophie von American Express ist es, so global wie möglich und doch lokal sinnvoll für unsere Kunden zu arbeiten. Daher war es wichtig, einen geeigneten Partner mit einer starken lokalen Ausrichtung zu finden. Den haben wir in der Verkehrsbüro Group gefunden, nicht zuletzt durch die österreichweite Präsenz mit sieben Standorten in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Bregenz und Klagenfurt.“

T.A.I.: Was wird sich durch diesen Zusammenschluss verändern?

Aigner: „Wir werden weiterhin mit beiden Marken am Markt auftreten, können aber unseren Kunden nun noch mehr Service und Leistungen, je nach Bedarf, Wunsch und Notwendigkeit in der Abwicklung von Geschäftsreisen anbieten. Das Wichtigste ist für uns die Zufriedenheit unsere Kunden. Nun sind wir im Konzern ein Vollsortimenter, der alles abdecken kann.“

Tolinger: „Es gibt zukünftig nichts, was wir nicht anbieten und durchführen können. Ich sehe uns als zwei gut ausgestattete Schiffe, die in einer gemeinsamen Flotte fahren. Der Kunde kann daher bei seinem bestehenden Reisebüro bleiben, hat jedoch den Vorteil jederzeit die Stärken und Möglichkeiten des anderen bei Bedarf zu nutzen.“
T.A.I.: Was bedeutet das für die Kunden des jeweiligen Unternehmens?

Aigner: „Als einen ganz wichtigen Vorteil sehe ich den Zugang zu Lösungen und Angeboten, die noch viel schneller, effizienter und auch kostengünstiger umsetzbar sind durch das internationale Netzwerk von American Express sowie die dort bereits vorhandenen Technologien. So kann der Kunde jederzeit genau das bekommen, was er benötigt. Ein Beispiel: Ein Kunde von uns mit einer neuen Tochterfirma in England kann nun auch dort betreut werden, was in der Vergangenheit nicht möglich war. Wir erweitern durch American Express einfach die Möglichkeiten für unsere Kunden.“

Tolinger: „Obwohl wir zwei eigenständige Firmen bleiben, kann jeder Kunde die Vorteile und Möglichkeiten des anderen jederzeit in Anspruch nehmen. Für unseren Kundenkreis ergibt sich hier die zusätzliche Nutzung der starken und flächendeckenden Präsenz der Verkehrsbüro Group am österreichischen Markt. Denn ein lokaler Anbieter ist am Heimatmarkt flexibler als ein großer internationaler Konzern. Außerdem können wir unsere Servicepalette um den Bereich „Privatreisen“ ausbauen, also auch Urlaubsreisen aus einer Hand anbieten.“

T.A.I.: Wird es zu Kundenverschiebungen von einem zum anderen kommen?

Aigner und Tolinger: „Für uns ist wichtig, dass der Kunde bestmöglich betreut wird. Sollte daher ein Wechsel sinnvoll und erwünscht sein, so ist das in Ordnung und stellt kein Problem für uns dar.“

T.A.I.: Wie sehen Sie die Entwicklung des Geschäftsreisemarktes?

Aigner: „Dieses Reisesegment ist und war immer schon sehr abhängig von der Konjunkturentwicklung. So hat die Krise vor zwei Jahren zu großen Veränderungen im Reiseverhalten der Unternehmen geführt – neue Einsparungspotentiale wurden erkannt, alle Geschäftsreisen oft einzeln hinterfragt und bewertet sowie Reiserichtlinien verschärft. In Österreich sehe ich die Lage derzeit stabil mit einer leichten Tendenz nach oben, aber immer noch sehr kostenbewusst.“

Tolinger: „Ich orte ein unverändert sehr starkes Kostenbewusstsein beim Kunden. Ich rechne auch mit einem Anstieg der reisebezogenen Dienstleistungen (Versicherungen, Reisekostenabrechnungen, Notfalldienste, 24 Stunden Hotline, und ähnliche), die der Kunde von uns verlangt. Nur die Buchung der Flüge, Hotels und Transportmöglichkeiten allein wird es zukünftig nicht mehr sein. Was die Entwicklung der Geschäftsreisen an sich anbelangt, so kann ich dies derzeit für Österreich und auch Europa nur schwer einschätzen. Global gesehen zeigt die Trendlinie in jedem Fall nach oben."

180 Mio. Euro Umsatz schwerer Riese

Mit dem Erwerb der österreichischen American Express Reisebüro GmbH ist die Verkehrsbüro Group künftig mit zwei Geschäftsreise-Marken „Verkehrsbüro Business Travel” und „American Express Business Travel” aktiv. Zudem ist die Verkehrsbüro Group durch eine Zusatzvereinbarung Franchisepartner von American Express und hat Zugriff auf das internationale Netzwerk „American Express Global Travel Partner”. Beide zusammen bringen es 2011 auf einen vermittelten Umsatz von insgesamt über 180 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr belief sich das Geschäftsreise-Volumen vom Verkehrsbüro (noch ohne Amex) an den sieben Standorten in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Bregenz und Klagenfurt auf 113 Millionen Euro.

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