Gebietsverluste und Markt-Shifts bei Studienreisen
Die Auswirkungen des Arabischen Frühlings dauern an – Entspannung wird erwartet
Mit den politischen Verwerfungen in Nordafrika und der Arabischen Welt sind wichtige Zielgebiete des internationalen Studienreisen-Marktes in Turbulenzen geraten. Doch abseits der Krisenregionen liefen die Buchungen bei Studienreisen 2011 größtenteils positiv. Markteinbrüche konnten durch Destinations-Alternativen zum Teil kompensiert werden. 2012 sollte sich das Studienreise-Segment auch im Zielgebiet Orient wieder langsam erholen, meinen Spezialveranstalter gegenüber der T.A.I.
Nach der Markenübernahme und Neugründung von GEO Reisen laufe das Geschäft gut an, berichtet etwa Patrik Weitzer, COO des auf Studienreisen spezialisierten Veranstalters. Gleichwohl geht GEO Reisen mit vorsichtigen Zahlen ins Rennen, wobei der Fokus auf Mittel- und Südamerika, Asien, Afrika und ausgewählten Premium-Kreuzfahrten liegt. „Im Zielgebiet Orient laufen derzeit hauptsächlich Privatreisen, die wir für Kunden maßschneidern. Große Gruppenabreisen bleiben noch aus“, stellt Weitzer fest, der davon ausgeht, dass sich Ziele im Orient bald erholen werden.
Eine Verlagerung der Nachfrage von der Arabischen Welt in den europäischen Mittelmeerraum konstatiert auch Studiosus Pressesprecher Frano Ilic. Parallel dazu seien 2011 die Buchungen für den Indischen Subkontinent und Südamerika deutlich gestiegen. „Besonders gut nachgefragt sind Studienreisen derzeit für die Türkei, Italien und auf der Fernstrecke Indien“, so der Studiosus-Sprecher. Zudem erfreue sich laut Ilic das Baltikum, Sri Lanka und Indonesien großer Beliebtheit.
Von einem „hohen zweistelligen Plus“ im Jahr 2011 spricht Gerhard Begher, Geschäftsführer Dertour Austria für die Marke Meier´s Weltreisen. „Wir sind mit der Entwicklung der Zahlen sehr zufrieden und können sagen, dass die Studienreisen im Jahr 2011 wirklich sehr gut liefen – trotz weltweit zahlreicher politischer Krisen und Naturphänomene“. Gäste von Meier´s Weltreisen ziehe es demnach 2012 bevorzugt nach Indien, Myanmar, Namibia und Mexiko. Begher geht davon aus, dass auch 2012 in den Regionen des „Arabischen Frühlings“ ein eher schwieriges Jahr sein wird, obgleich nach Ländern differenziert werden müsse.
Für Jörg Redl, Produktmanager Raiffeisen Reisen, hat sich der Studienreisemarkt weiter individualisiert, wobei die Schere zwischen Kunden, die „wirklich viel Geld ausgeben“ und solchen, die Qualitätseinbußen in Kauf nehmen, weil sie „den besten Preis suchen“, immer größer werde. Durch immer mehr Billig-Anbieter (Redl führt explizit Kaufhausketten ins Treffen) seien „oft günstige aber programmmäßig unsinnige Reiseprodukte am Markt.“ Neue Reiseideen sind gefragt, ist Jörg Redl überzeugt. Bezogen auf 2012 gibt er mit einer Kombination in Westafrika mit Togo – Benin – Ghana und Burkino Faso oder auch dem „Nagaland“ zwei innovative Beispiele.
Auf ein sehr gutes Wirtschaftsjahr mit einer Steigerungsrate um 9 Prozent kann auch Studienreisen-Spezialist Kneissl Touristik zurückblicken, auch wenn die Auswirkungen der 2. Aschewolke in Island und vor allem Nordafrika und Orient zu spüren waren. Aktuell werde begeistert Europa und hier wieder stark der Nordland-Bereich (Island, Skandinavien) aufgenommen, aber auch Ost- und südliches Afrika, Fernost-Asien (Indochina) und Lateinamerika sind laut Elisabeth Kneissl-Neumayer gefragt. Allerdings: „Studienreisen in Nordafrika und im Nahen Osten entwickeln sich nicht“, schränkt die Touristikerin ein. Kneissl-Neumayer: „Die Kunden werden im Prinzip überall auf Händen getragen, aber selbst Marokko und Jordanien, die keinen Grund zu Besorgnis gaben, leiden noch immer massiv darunter. Also kann es nur besser werden!“


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