Travel.at geht ab März dynamisch baden
Nach Einführung der Player-Hub-Technologie kommt nun der nächste Schritt in Richtung X-Veranstalter
Von jenem Fünftel aller österreichischen Veranstalter-Buchungen, die online getätigt werden (Volumen rund 140 Mio. Euro), erfolgt die Abwicklung – wie Amadeus Austria im Vorjahr im Rahmen einer Studie erhoben hat – zu zwei Dritteln über ausländische Portale (e-bookers, Expedia etc.). Das restliche Drittel verteilt sich auf die Portale der großen Reiseveranstalter sowie der regionalen Player, von denen zwei, Stafareisen.at und Travel.at, besonders herausragen. Doch während bei Stafa die Badereisen dominieren (rund 15.000 Kunden mit zusammen 7-8.000 Buchungen in guten Jahren, 2011 sorgten aber Griechenland, Ägypten, Tunesien etc. für einen Dämpfer), war die vor zwei Jahren gegründete Österreich-Tochter von Travel.ch bisher nur im Städtereisenbereich tätig. Letzteres hat sich gegen Ende vorigen Jahres geändert.
Der Einstieg von Travel.at in den Last-Minute-Badereisen Bereich erfolgte vor zwei Monaten. Möglich wurde er durch die neue Player-Hub-Technologie, wobei Österreich bei der Hotelplan-Tochter diesbezüglich die Vorreiterrolle übernahm. Die Schweiz zieht erst in ein paar Wochen nach, ebenso Skandinavien.
Über die Player-Hub Technologie ist schon einiges geschrieben worden. Zur Erinnerung: bisher wurden und werden die Datenbanken, auf welche die Abfrage-Systeme der Reisebüros und Portale zugreifen, von den Veranstalter-Systemen gefüttert, allerdings nicht Sekunden-aktuell, sondern nächtens (täglich, z.T. aber auch nur wöchentlich). Zum Zeitpunkt der Abfragen sind aus diesem Grund 10 bis 30 Prozent Angebote nicht mehr verfügbar oder haben zwischenzeitig andere Preise. Ein weiterer Nachteil des bestehenden Systems sind dessen Langsamkeit sowie die geringe Filterungsmöglichkeit nach unterschiedlichen Kriterien.
Durch die Player-Hub-Technologie ändert sich das. Die (weiterhin) langsamen Veranstalter-Systeme füttern nun nicht mehr direkt sowie maximal einmal täglich die Datenbanken, auf welche die Buchungs-Systeme der Reisebüros und Online-Portale Zugriff haben, sondern so genannte „Player“ (extrem schnelle Speicher, drei bis vier Millisekunden Ansprechzeit).
Der Datenverkehr zwischen diesen Veranstalter eigenen Players mit Echtzeit-Daten und den Buchungssystemen wird über „Hubs“ geleitet. Ergebnis sind extreme Schnelligkeit, hohe Aktualität (in jüngsten Tests wurde eine Verfügbarkeit von bis zu 99,6 Prozent erreicht) und durch die bis dato entwickelten zwei neuen Datenformate (Open Travel Data Standard/OTDS sowie Neutraler Touristischer Standard/NTS) eine erheblich größere Filterungsmöglichkeit.
Travel.at nutzt die neue Technologie nicht nur, um mit ihr wie erwähnt in den Badereisen-Bereich einzusteigen (seit November), sondern auch selbst als X-Veranstalter „dynamisch“ eigene Packages zu erstellen (ab März). Dazu wurde ein eigener DYNA-Player angeschafft (DYNA steht für dynamisch), der – ebenso wie die gesamte Player-Hub-Technologie – von der deutschen Firma Peakwork entwickelt wurde. Im Flugbereich kommuniziert Travel.at über den DYNA-Player bereits mit FlyNiki/Air Berlin, im Hotelbereich wird mit mehreren Brokers zusammengearbeitet.
Noch steckt die Player-Hub-Technologie in ihrer Anfangsphase. Bisher können über Travel.at nur Last-Minutes von ITS Billa Reisen/Jahn Reisen sowie Schauinsland abgefragt und gebucht werden. Demnächst soll es bei Thomas Cook, Alltours, Gulet und FTI (mit Big Extra) soweit sein. Travel.at/Travel.ch-Chef Roland Zeller: „Noch keine klaren Signale gibt es von TUI in Hannover.“
Wie auch immer diese lauten werden, eines steht fest: der Einstieg von Travel.at in den Bereich Badereisen und dem bevorstehenden Start als eigener X-Veranstalter wird den Anteil der online getätigten Veranstalter-Buchungen, die über österreichische Portale laufen, mit Sicherheit erhöhen.
Kurzportrait von Travel.at
Travel.at ist die Österreich-Tochter des zur eidgenössischen Hotelplan-Gruppe (Migros) gehörenden und vor zwölf Jahren gegründeten Portals Travel.ch (ca. 15.000 bis 20.000 Besucher pro Tag). Dessen Chef und Gründer Roland Zeller ist nach wie vor an dem Unternehmen beteiligt und fungiert auch als Geschäftsführer. Der Start von Travel.at erfolgte Anfang des Jahres 2010. Im kurzen ersten Geschäftsjahr 2009/2010 wurde ein Umsatz von 3 Mio. Euro erzielt, 2010/2011 kletterte um 60 Prozent nach oben, wobei rund 10.000 Passagiere gezählt wurden. Derzeit sind 3 ½ Mitarbeiter im Österreich-Büro in der Wiener Lindengasse beschäftigt. Für das neue Geschäftsjahr erwartet sich Roland Zeller ein weiteres Umsatz- und Gästeplus, wobei alleine für den Bereich Badereisen vorsichtig ein Umsatz von 1 Mio. Euro budgetiert wurde – „wenn’s einschlägt, kann’s viel mehr werden“, so Roland Zeller.


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