Freitag, der 13. Concordia und die Folgen
Kreuzfahrt-Katastrophe fast genau 100 Jahre nach der Titanic erschüttert die Branche – Thema Sicherheit im Mittelpunkt
Als in der Nacht des 13. Jänner 2012 die Nachricht von der Havarie der Costa Concordia um die Welt ging, konnten es viele nicht glauben: Kreuzfahrten gehören heutzutage zu den sichersten Urlaubsformen. Doch nichts schützt vor menschlichem Versagen, das nach Stand der Dinge die jetzige (wie die damalige) Katastrophe heraufbeschworen hat. Der Unfall hat ungeachtet dessen viele weitere Fragen aufgeworfen. Bei einigen wird die Klärung bis zum Abschluss der Untersuchungen dauern, andere, – angesichts der Opfer eher triviale aber für den beruflichen Alltag trotzdem wichtige –, betreffen bereits gebuchte Reisen mit dem Unglücksschiff. „Für die beiden nächsten Abfahrten im Jänner der Concordia hat Costa noch am Sonntag Reisebüros mit gebuchten Passagieren über Storno- bzw. Alternativmöglichkeiten unterrichtet. Informationen zu späteren Abfahrten sowie auch Stornomöglichkeiten bei anderen Schiffen werden in Kürze erfolgen.
Laufend aktualisierte Statements können auf www.costakreuzfahrten.at eingesehen werden. Siehe dazu auch ein Statement (im Kasten) von Ulrike Soukop, Geschäftsführerin Costa Kreuzfahrten Österreich.
Sollten Kunden ihre gebuchte Kreuzfahrt von anderen Reedereien auf Grund des aktuellen Vorfalles stornieren wollen, so ist dies kostenlos nicht möglich, wie auch der Österreichische Reisebüroverband (ÖRV) bestätigt: „Zurzeit gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der einzelnen Kreuzfahrtunternehmen, eine Stornierung der Reise ist demnach kostenpflichtig. Alle Reisen werden von den einzelnen Reedereien in gewohnter Qualität und ohne Leistungseinschränkungen durchgeführt. Selbstverständlich haben alle Respekt vor möglichen Ängsten. Die Gründe für Stornierungen müssen jedoch allgemeingültigen und objektiv überprüfbaren Kriterien folgen“, so die Aussage des ÖRV.
An den Zukunftsaussichten der boomenden Kreuzfahrtindustrie dürfte die Concordia-Katastrophe nicht viel ändern. Eine T.A.I.-Umfrage bei den Kreuzfahrtanbietern sowie in Reisebüros ergab vorab keinerlei negative Reaktion von Kunden bzw. Storno-Wünschen. Auch an den beiden restlichen Tagen der Wiener Ferienmesse (Samstag 14. und Sonntag 15. Jänner) waren Interesse und Nachfrage der Besucher unverändert, kaum jemand sprach das Unglück der Concordia an. Die Kunden haben Vertrauen in die Produkte (auch von Costa Kreuzfahrten), die hohen Sicherheitsstandards an Bord der Schiffe werden als solche wahrgenommen.
Dass es trotz all dieser Maßnahmen und Vorschriften im Ernstfall zu einer Panik bei der Evakuierung kommen kann, wie auf der Concordia zum Teil bestätigt, ist nie ganz auszuschließen. Immerhin galt es in diesem Fall 3.200 Passagiere und 1.000 Besatzungsmitglieder zu evakuieren (auf 32 Gäste kommen demnach 10 Bord-Mitarbeiter; dass dieses Verhältnis zum Teil auch in den Rettungsbooten der Concordia vorgefunden wurde – viele Medien haben das als Kritikpunkt vermeldet – ist logisch, denn diese Crews müssen dafür Sorge tragen, dass die Rettungsboote manövriert und die Gäste in Sicherheit gebracht werden).
Zu klären sein wird aber mit Sicherheit noch die Rolle einiger Crew-Mitglieder, allen voran des Kapitäns. Hier gilt es, alle Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Spekulationen und mediale Horror-Stories tragen zur Aufklärung jedenfalls nichts bei.
Sicherlich wird das Concordia-Unglück ein Nachdenken über weitere Verbesserungen und/oder Verschärfung von Sicherheitsvorschriften bringen, nicht zuletzt um den Faktor „Mensch“ noch verlässlicher zu machen.
Offener Brief an die Reisebüropartner
Linz, 17. Jänner 2012
Liebe Partner und Freunde der Reisebranche,
Costa Kreuzfahrten und ich persönlich sind zutiefst bestürzt über das Unglück, das sich in der Nacht von Freitag auf Samstag vor der Küste der Toskana ereignet hat. Unser ganzes Mitgefühl gilt allen Betroffenen und wir sprechen ihnen und ihren Angehörigen unsere tiefste Anteilnahme aus.
Ich möchte mich an dieser Stelle besonders bei allen unseren Partnern aus den Reisebüros bedanken, die sich unermüdlich für die Passagiere der Costa Concordia am vergangenen Wochenende eingesetzt haben und es ermöglichten, dass alle Gäste aus Österreich mittlerweile wohlbehalten in der Heimat angelangt sind.
Auch möchte ich mich bei meinem Team bedanken, das Tag und Nacht alles unternommen hat, um bestmögliche Unterstützung zu bieten.
Unsere Priorität galt und gilt der Rettung und dem Schutz der Passagiere, Besatzung sowie der Umwelt. Aus diesem Grund hatten wir uns auch entschlossen, unseren Stand auf der Ferienmesse Wien für den aktiven Verkauf zu schließen. Uns ging es darum, alle verfügbaren Kräfte zu bündeln um bestmögliche Hilfe anbieten zu können. Dafür bitte ich um Verständnis. Viele von Ihnen haben mich bzw. uns auch in diesem Entschluss bestärkt. Auch dafür vielen Dank.
Costa Kreuzfahrten arbeitet intensiv mit den Behörden vor Ort zusammen um Klarheit zu erhalten, was wirklich passiert ist. Niemals wieder darf sich ein solches Unglück ereignen. Die Sicherheit der Gäste und unserer Crew besaß und besitzt bei Costa oberste Priorität. Wir werden alles daran setzen, Ihr Vertrauen sowie das Vertrauen Ihrer Kunden so schnell als möglich wieder zu erlangen. Millionen Gäste und tausende Reisebüro Partner haben uns in den letzten 64 Jahren ihr volles Vertrauen geschenkt. Wir sind sicher, dass wir Sie auch in der Zukunft von unseren Leistungen und steigenden Standards des perfekten Urlaubes für Ihre Kunden überzeugen können.
Ihre Ulli Soukop


Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.
Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.